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Brombeere

Wehrhafte Gesellinnen

Brombeeren kennen jedes Kind: entweder von den süßen Früchten oder aber aufgrund der auffälligen Wehrhaftigkeit. Dass man auch die Blätter zu Heilzwecken verwenden kann und früher sogar als Teeersatz dienten, ist den wenigsten bekannt. Brombeeren sind faszinierende Pflanzen und manch eine Gartenbesitzerin oder Gartenbesitzer kennt die Standhaftigkeit dieses Rosengewächses. Warum Brombeeren keine Dornen haben, wo und wann man sie am besten sammelt und was Hirsche damit zu tun haben, erfahrt ihr im folgenden Artportrait.

Kapitel 1: Merkmale

Brombeeren sind winterharte, mehrjährige Sträucher, deren Stängel unterschiedlich stark bestachelt und verholzt sein können. Oft wächst die Pflanze als Kletterpflanze, es gibt aber auch kriechende Vertreter wie die Kratzbeere (Rubus caesius).

Die Blätter sind abwechselnd am Stiel angeordnet und können 3fach, 5fach oder 7fach gefiedert sein. Die Blattränder sind gezähnt. An ihrer Unterseite sind die Blätter an der Mittelrippe ebenfalls bestachelt.

Von Mai bis August erscheinen die fünfblättrigen Blüten in Farben von zartrosa bis weiß. Diese stehen in rispigen oder traubigen Blütenständen. Die Blüten besitzen viele Staub und Fruchtblätter, aus denen sich von August bis in den Oktober hinein kleine blauschwarze Steinfrüchte bilden, die wir alle zusammengenommen als Brombeere kennen. Die Frucht ist also keine Beere, sondern eine Sammelsteinfrucht.

Kapitel 2: Botanisches

Die Brombeere wird zusammen mit der Himbeere der Pflanzengattung Rubus zugeordnet, deren Vertreter innerhalb der gemäßigten Zone weltweit anzutreffen sind. Die Gattung gehört der Familie der Rosengewächse der Rosaceaen an. Neben den Rosen umfasst diese noch viele weitere uns gut bekannte Arten wie Äpfel, Mandeln, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Neben den bekannten Obstarten finden sich auch verschiedene krautige Pflanzen wie der Frauenmantel, das Fingerkraut, die Nelkenwurz oder das Mädesüß.

Bei uns in Mitteleuropa gibt es bereits eine schier unzählige Vielfalt an wilden, kultivierten und ausgewilderten Brombeerarten und Unterarten, die teilweise nur sehr schwer voneinander unterscheidbar sind. Sie bilden häufig Hybride, also Mischformen. Glücklicherweise sind diese für unsere Zwecke alle gleichermaßen verwendbar.

Die ökologisch wertvollen Sträucher sind wichtige Rückzugsräume für viele Tiere, da sie dort vor Fressfeinden sicher sind. Zum Beispiel haben viele Vögel hier einen großen Nutzen. Viele Insekten lieben Brombeerblüten und wer einmal an ihnen gerochen hat, kann das gut nachvollziehen. Doch Brombeeren können sich auch ganz ohne Partner vermehren, indem sie einfach – ohne vorher bestäubt worden zu sein – Samen bilden.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Die Brombeere begleitet den Menschen als Heil- und Kulturpflanze schon sehr lange. Bereits aus der Steinzeit, dem alten Ägypten, bei den Griechen und den Römern gibt es Funde der Kerne und Überlieferungen über deren Verwendung.

Bei der Brombeere muss man zwischen den Früchten und den Blättern unterscheiden. Die Blätter zeichnen sich vor allem durch einen wirksamen Gehalt an Gerbstoffen aus, diese wirken zusammenziehend und entzündungshemmend. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide und organische Säuren.

Brombeeren in der Küche

Die Blätter schmecken lecker in verschiedensten Teemischungen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass durch die behaarten und stachligen Blätter sich die Mischungen nicht so schnell entmischen und sich in grobe und feine Bestandteile aufteilen. Aber auch als alleinige Zutat schmecken vor allem die jungen Blätter der Brombeere herrlich frisch als Teeaufguss. Ein besonderes Geschmackserlebnis bieten fermentierte Blätter der Brombeere. Diese wurden in früheren Zeiten oft als Schwarzteeersatz genutzt und waren als „deutscher Tee“ bekannt.

Die Früchte schmecken herrlich säuerlich- süß und finden vielseitige Verwendung in der Küche. Sie sind wahre Vitaminbomben und enthalten zudem eine Vielzahl an verschiedenen Mineralien und Spurenelementen.

Heilwirkung von Brombeere

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Brombeere aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Bis jetzt fand noch keine Bearbeitung der Brombeerblätter durch die HPNC noch von der ESCOP statt. Die Kommission E empfiehlt sie innerlich bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen und äußerlich bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Eine Einstufung als traditionelles Arzneimittel nach dem Arzneimittelgesetz fand noch nicht statt.

Heilwirkung von Brombeere aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

In der Volksheilkunde findet die Brombeere ebenfalls wegen ihrer zusammenziehenden und entzündungshemmenden Wirkung Anwendung bei Durchfällen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie äußerlich für Waschungen bei entzündlichen Hautausschlägen.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Spätestens wenn die Brombeere ihre dunklen Früchte bekommt erkennt sie jedes Kind. Auch davor ist sie aufgrund ihres Wuchses und ihrer Stacheln gut zu erkennen. Für Anfänger kann sie aber manchmal schwer von der Himbeere unterschieden werden. Hier hilft ein Blick unter das Blatt. Die Himbeere besitzt nämlich eine silbrig-weiße und filzige Blattunterseite. Zudem sind die Stacheln der Mittelrispe viel feiner und weicher.

Werden die beiden einmal verwechselt ist das aber nicht weiter schlimm, denn die Blätter der Himbeere schmecken ebenfalls gut im Tee.

FAQ: haben Brombeeren Dornen oder Stacheln?

Hast du gewusst, dass die Brombeere keine Dornen, sondern Stacheln besitzt? So ist es übrigens auch bei den anderen Rosen (Brombeeren sind auch Rosengewächse) . Dornröschen sollte also eher Stachelröschen genannt werden. Umgekehrt besitzen Kakteen keine Stacheln, sondern Dornen. Doch was ist der Unterschied zwischen den Beiden? Dornen sind Pflanzenorgane wie Blätter, Wurzel oder Spross („Stängel“), die im Laufe der Zeit umgewandelt wurden und fest mit der Pflanze verwachsen sind und über deren Leitbahnen versorgt werden. Stacheln dagegen sind keine umgewandelten Pflanzenorgane, sondern wachsen an den Organen als Auswüchse. Sie sitzen auf der Epidermis, der Außenhaut der Pflanze. Stacheln kannst du im Gegensatz zu den Dornen ganz leicht von der Pflanze entfernen. Dornen wie auch die Stacheln helfen der Pflanze sich vor Fressfeinden zu schützen. Die Brombeere nutzt ihre Stacheln auch als Kletterhilfe.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale der Brombeere zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Brombeere , wo kann ich sie am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Brombeere zu Sammeln?

Die Brombeere mag stickstoffreiche und kalkhaltige Böden und steht gerne sonnig bis halbschattig. Wegen ihrer erfolgreichen Verbreitungsstrategie über Wurzelausläufer und Absenker kann sie aber fast überall, wo etwas Platz und Sonne gibt gefunden werden. So trifft man die Brombeere häufig auf Waldlichtungen, Kahlschlägen, Wegesrändern, Gebüschen und Hecken, auf Brachen und in verwilderten Gärten an. Brombeere blüht von Mai bis August , dementsprechend kann man je nach Standort die Früchte der Brombeere von August bis in den Oktober hinein sammeln.

Die frischen Blätter können in warmen Jahren schon ab März gesammelt werden. Solange die Stacheln noch weich sind, können die Blätter auch frisch verzehrt oder als Blattgemüse gekocht werden. Für die Nutzung als Tee, können die Blätter bis in den Späten Sommer hinein gesammelt werden. Manche Brombeeren sind wintergrün, verlieren auch über den Winter ihre Blätter nicht. Diese sind aber nicht sehr ansehnlich und sind oft von Pilzen befallen und eignen sich daher nicht mehr zum Sammeln.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Brombeere? Was haben unsere Vorfahren Brombeere verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über Brombeere zu berichten?

Aus dem Indogermanischen leitet sich der Gattungsname Rubus von „reub“ ab, was so viel wie „reißen“ bedeutet. Jeder, der sich schon einmal seinen Weg durch ein Brombeer- oder Himbeergebüsch bahnen musste kann diese Namensgebung wohl lebhaft nachvollziehen.

Das Artepitheton fruticosus leitet sich vom lateinischen „frutex“ =Strauch ab.

Der deutsche Name Brombeere kommt aus dem Althochdeutschen, der „bramo-beri“   welche für Dornenstrauch und Beere steht. Den Germanen war die Brombeere heilig und sie wurde als Zauberstrauch verehrt. Da die Beeren gerne von Hirschen gefressen werden, wurde die Brombeere von den German auch als Hirschbeere bezeichnet.

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Quellen:

Fleischhauer, S. G., Guthmann, J., Spiegelberger, R., Essbare Wildpflanzen

Grappendorf, D., Wildkräuter- Küche

https://arzneipflanzenlexikon.info/brombeere.php

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021