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Löwenzahn

Bitter macht lustig

Löwenzahn ist eine häufig vorkommende Wildpflanze und gehört zu den „Standard“ – Küchenwildkräutern. Geschmacklich und Anwendungsbezogen ist Löwenzahn aufgrund seiner Bitterstoffe sehr interessant, zudem ist er sehr häufig zu finden und ist für Einsteiger sehr leicht zu identifizieren.

In diesem Artikel erfährst du, warum Löwenzahn nicht gleich Löwenzahn ist, warum Löwenzahn auf Insekten pfeift, was er so im Winter treibt, wie man ihn verwenden kann und welche Bestimmungsmerkmale wichtig sind, welche belegte und nicht belegte Heilwirkungen er hat und wo und wann man ihn sammeln kann. Außerdem erzählen wir euch, warum man vor dem Schlafen gehen keine Löwenzahnsmoothie trinken sollte und was magische Unken mit ihr zu tun haben.

Kapitel 1: Merkmale

Dadurch, dass wir uns in diesem Artprofil nicht nur eine einzelne Art anschauen, sondern eine ganze Gruppe, ist es auch gar nicht so einfach, Merkmale zu finden, die diese gesamte Gruppe von anderen, nah verwandten Arten deutlich abgrenzt. Das auffälligste Merkmal der Löwenzähne sind die im Frühsommer häufig zu sehenden, gelben Blütenstände. Diese stehen oft endständig und einzeln, jedes Individuum bildet dann nur einen glatten und hohlen, weißlichen Milchsaft führenden Stängel, an dessen Ende ein einziger Blütenstand sitzt. Es gibt auch Arten in dieser Gruppe, die sich verzweigen und mehrere Blütenstände bilden. Warum aber schreiben wir Blütenstand und nicht Blüte? Blütenstand wird das Ganze deshalb genannt, weil es beim näheren Hinsehen gar keine Einzelblüte ist. Vielmehr besteht sie aus ganz vielen, kleinen Einzelblüten (hier: Zungenblüten), die alle ganz dicht nebeneinandersitzen. Nach der Bestäubung entwickelt sich die Pflanze zur „Pusteblume“. Die Samen (hier: Achänen) hängen an einem Stiel, der wiederum an einem Haarkelch (Pappus) sitzt – das ganze Konstrukt wirkt wie ein Schirmchen, welches bis zu zehn Kilometer weit gleiten kann. Die charakteristischen Blätter mit dem mal mehr, mal weniger gezähnten Blattrand entspringen scheinbar alle einem Punkt aus dem Boden (Blattrosette) , der Stängel ist Laubblattlos.

Kapitel 2: Botanisches

Löwenzahn gehört wie die Sonnenblume, das Gänseblümchen oder die Kornblume zur Familie der Korbblütler (Asteraceaen). Zumeist werden hierzulande die Arten aus gleich zwei verschiedenen Gattungen (Leontodon und Taraxacum) als Löwenzahn bezeichnet. Den Löwenzahn gibt es übrigens gar nicht. Es gibt bei uns hunderte Arten und Unterarten des „Löwenzahns“, so richtig blickt da nur eine Hand voll Spezialisten und Vollfreaks durch. Um in den Genuss dieser Pflanzen zu kommen, müsst ihr euch nicht tagelang ans Mikroskop oder an den Gensequenzierer setzen, um die Art oder Unterart herauszufinden. Denn zum Glück sind alle heimischen, „löwenzahnähnlichen Arten“ verwendbar! Im Kapitel „Verwechslung & Gefahren“ lernst du eine zu vermeidende Artengruppe kennen, die dem Löwenzahn entfernt ähnlich sehen kann.

Gundermann ist „ausdauernd“, die oberhalb der Erde liegenden Pflanzenteile sterben also nicht ab. Ganz im Gegenteil, als „wintergrüner“ behält er sogar sein Blattgrün bei. Das jedoch nicht in voller Pracht, vielmehr sterben alle Teile, bis auf eine dicht gedrängte Blattrosette oder ein einzelnes Blattpärchen ab.

Als ausdauernde (perennierende) Pflanze lebt das Löwenzahnindividuum mehrere Jahre und blüht mehrfach im Laufe des Lebens. Und was macht der Löwenzahn im Winter? Sind Blüte und Stängel und auch ein Teil der bodennahen Blätter im Winter verschwunden, überdauert die Wurzel im Boden. Als Hemikryptophyt hat der Löwenzahn seine Erneuerungsknospen (die Knospen, aus denen im Frühling sich wieder neue Triebe entwickeln) knapp über dem Boden , oft durch die eigenen, abgestorbenen Blätter, durch anderes Laub oder sogar durch die Schneedecke vor dem Erfrieren geschützt.

So verlockend die Nektar- und Pollenreichen Blütenstände auf Insekten auch wirken: in unseren Breiten kämen die meisten Löwenzahnarten ohne sie aus. Hierzulande vermehren sie sich meist via Jungfernzeugung (Parthenogenese). Dabei kommt es nicht zu einem Genaustausch mit einem anderen Individuum, vielmehr klont sich die Pflanze einfach selbst.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Geschmacklich sind vor allem die enthaltenen Bitterstoffe dominant. Diese können wir uns wiederum Zunutze machen, sie haben in Maßen positive Effekte auf unseren Körper und können einem Gericht das gewisse Etwas verleihen. Schaut man in der Wildkräuter – Nährwerttabelle bei Löwenzahn, sieht man, dass Löwenzahn ansonsten recht viel zu bieten hat: Er hat viel Kalium, Vitamin C, Vitamin B6 und Carotin. Das Kalium wirkt harntreibend, weshalb die Pflanze im Französischen auch „Pissentlit“ („ins Bett pisser“) genannt wird.

Löwenzahn in der Küche

Aus den Bitterstoffreichen Blättern lässt sich ein guter Bitterstofftee zubereiten. Dieser ist gut nach dem Essen schwerverdaulicher, fetter Speise und wirkt zudem harntreibend, was bei Blasenentzündung helfen kann. Wichtig ist hier, dass man ausreichend auf Flüssigkeitszufuhr achtet. Für die Zubereitung reicht ein TL getrocknete oder 2 TL frische Blätter pro Tasse, 10 Min. ziehen lassen. Zudem ist Löwenzahnpesto super lecker und ein echter Geheimtipp.

Folgende Rezepte mit Löwenzahn können wir euch sehr ans Herz legen:

Heilwirkung von Löwenzahn

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Löwenzahn aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Laut ESCOP sind die  Löwenzahnblätter als harntreibende Mittel z.B. bei Rheuma und zur Nierensteinvorbeuge und bei Appetitlosigkeit anerkannt. Die Wurzel wird z.T. erfolgreich zur Behandlung von Leber- und Gallenproblemen eingesetzt.

Kommission E: Zusätzlich zu den von ESCOP beschriebenen Wirkungen, ist eine Wirksamkeit von Löwenzahn bei  Völlegefühl und Blähungen belegt.

Heilwirkung von Löwenzahn aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

Zur den links genannten Wirkungen kommt aus der Sicht der Naturheilkunde eine entschlackende und blutreinigende Wirkung.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Es gibt viele Vertreter der Korbblütler, die den Löwenzahnarten auf den ersten Blick ähnlich sehen. Das Gute: Im Prinzip sind alle heimischen „löwenzahnähnlichen“ Pflanzen (Blattrosette, keine Stängelblätter, ein oder wenige Blütenköpfe, „Löwenzahnblätter“) verwendbar. Auch die vom Blütenstand her ähnelnden Habichtskräuter, Ferkelkräuter, Bitterkräuter, Pippau können verwendet werden verwenden.  Dadurch, dass so viele Arten in dieser Gruppe essbar sind, ist es einfacher, Arten auszuschließen, die man nicht verwenden sollte, denn davon gibt es lediglich zwei Gruppen:

Giftlattich (Lactuca virosa)

Die Einschätzung der Giftigkeit dieser einer Gänsedistel ähnelnden Pflanze schwankt und reicht von schwach bis stark giftig. Die Blätter sehen überhaupt nicht löwenzahnähnlich aus und die Pflanze wird in der Regel sehr groß, von daher ist die Gefahr einer Verwechslung gering

Greiskräuter / Kreuzkräuter (Senecio sp.)

Die Gattung Senecio geriet öfter mal in die Schlagzeilen, da sie für den Tod einiger Pferde und Kühe verantwortlich war, die Heu mit Greiskraut gefressen hatten. Aufgrund der enthaltenen Pyrrollizidinalkaloide für uns leberschädigend und krebserregend. Die Greiskräuter können sehr unterschiedlich aussehen, die Blätter sehen bei den häufigeren Arten etwas rucolaartig aus. Die Blüten ähneln dem Löwenzahn bis auf die Form nicht sonderlich: denn sie haben zwei unterschiedliche Gelbtöne. Die Äußeren Blüten sind hellgelb , die inneren dunkelgelb gefärbt. Bei den Löwenzähnen finden wir hingegen nur einen Gelbton im Blütenstand. Beim Wald-Greiskraut und beim gewöhnlichen Greiskraut sieht man die unterschiedlichen Farben im Blütenstand schlecht, da sie geschlossen bleiben. Diese bilden oft eine spinnwebartige Behaarung an Stängel und Blättern.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale der gängigen Löwenzahnarten zusammengefasst. Es gibt auch ein paar Löwenzahnarten, die sich von diesem Schema unterscheiden.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Löwenzahn , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Löwenzahn zu Sammeln?

Einige Löwenzahnarten sind sehr häufig und weit verbreitet. Sie mögen Nährstoffe und nicht zu viel Schatten und treten auf überdüngten Fettwiesen in Massen auf. Auch in Parks findet man ihn häufig. Im Wald findet man sie allenthalben an Wegrändern. Man kann ihn fast das gesamte Jahr über Sammeln.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Löwenzahn? Was haben unsere Vorfahren mit dem Löwenzahn verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über den Löwenzahn zu berichten?

Löwenzahn wird in manchen Gegenden auch Butterblume genannt, was problematisch sein kann, da so auch die giftigen Hahnenfußgewächse genannt werden. Der Name Kuhblume lässt sich leicht erklären, schließlich liebt Löwenzahn Stickstoff und davon hat man auf Kuhweiden zu genüge. Ein alter Name ist Krötenblume, früher hat man Kröten und Unken prophetische Kräfte nachgesagt, was auf den Löwenzahn übertragen wurde. Bettsiecher und Pissblom weist auf die harntreibende Wirkung hin, Ketten- und Ringelblume wurde sie auch genannt, da die Kinder daraus Ketten geflochten haben. In Dänemark wurde Löwenzahn früher Teufels Milchbottich genannt und auch der Name Teufelsblume könnte ein Hinweis sein, dass der weiße Milchsaft den Menschen nicht so ganz geheuer war. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion bauten in den 30er Jahren eine östliche Löwenzahnart an, um daraus einen Ersatzgummi herzustellen, dann tatsächlich enthält Löwenzahn Kautschuk. Das hat man jüngst aufgegriffen und versucht es erneut. Die älteren Semester werden sich vielleicht noch daran erinnern (sofern man die Gelegenheit hatte) : der 500 Mark Schein war mit einer Löwenzahnzeichnung von Maria Sibylla Merian bedruckt.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Aufseß, Freiherr v., Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters, 1832.