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bärlauch erkennen

Bärlauch erkennen

Bärlauch und seine Verwechslungspartner

Bärlauch ist sehr gesund und ein kulinarisches Highlight. Jedes Jahr kommt es jedoch pünktlich zur Bärlauchzeit immer wieder zu zahlreichen Vergiftungen. Damit ihr euer Pesto oder den frischen Kräuterquark ganz ohne schlechtes Gewissen genießen könnt, möchten wir euch im Folgenden Artikel die Pflanzen vorstellen, die dem Bärlauch zum Verwechseln ähnlich sein können und wie ihr diese unterscheiden könnt.

Kapitel 1: Merkmale

Der Bärlauch (Allium ursinum) gehört zur Gattung Allium und ist damit mit dem Schnittlauch und dem Knoblauch eng verwandt. Die Blätter des Bärlauchs riechen wie eine Mischung aus diesen beiden. Wenn ihr einen Bärlauchbestand entdeckt, wirkt dieser oft sehr dicht , was daran liegt, dass sie in sogenannten Horsten wachsen. Diese Ansammlungen von Einzelpflanzen entstehen oft durch das Abfallen oder Umknicken ganzer Samenstände. Dadurch bleiben viele Samen auf einem kleinen Fleck liegen und Keimen in der nächsten Saison.

Die einzelne Bärlauchpflanze besitzt in der Regel nur zwei Laubblätter, die aus einer weißen, etwas länglichen Zwiebel entspringen. Jedes Blatt besitzt einen Stiel, welcher im Querschnitt dreieckig ist. Schaut einmal auf die Unterseite der Blätter, diese ist deutlich matter als die Oberseite. Die Blattform ist eiförmig- zugespitzt. Die Blüten bestehen aus mehreren sternförmigen Einzelblüten mit sechs weißen Kronblättern und stehen kugelig zusammen. Dieser Blütenstand ist charakteristisch für den Bärlauch. Ihr findet den Bärlauch von März bis Juni. Nach der Blüte altern die Blätter schnell und die Pflanze zieht sich allmählich zurück.

Der Bärlauch mag es etwas feuchter – häufig findet ihr ihn in feuchten Auenwäldern, aber auch an halbschattigen Waldrändern oder in der Nähe von Bachläufen. In Deutschland ist er vor allem im Süden bis hin zu den Mittelgebirgen sehr häufig anzutreffen und weit Verbreitet. Weiter nördlich im Norddeutschen Tiefland kommt er nur noch vereinzelt vor, manche Bundesländer dieser Region haben ihn bereits in die Rote Liste aufgenommen. So ist er in Berlin und Brandenburg als selten geführt. Das liegt daran, dass der Bärlauch feuchte, tiefgründige und humose Böden bevorzugt. Er ist ein typischer Nährstoffzeiger. Die Böden im Norden sind meist stark sandig, eher trocken und besitzen oft nur wenig Nährstoffe. Bärlauch erkennen zu können ist die Grundvorraussetzung für das Sammeln.

Wunderlauch
Ein kulinarischer Doppelgänger

Bärlauch ist selten in Berlin? Steht er nicht tausendfach in vielen Wäldern und Parks?

Nicht ganz! Dabei handelt es sich nicht um den echten Bärlauch, sondern um einen nahen Verwandten. Der Wunderlauch (Allium paradoxum) befindet sich in Deutschland in der Ausbreitung und ist besonders häufig in und um Berlin anzutreffen, was ihm den Beinamen Berliner Lauch einbrachte. Er wird zu den potenziell invasiven Arten gezählt und steht zurzeit auf der Beobachtungsliste. Der Wunderlauch ist wie der Bärlauch essbar, jedoch vom Geschmack etwas milder. Im Vergleich zum Bärlauch wirken die Blätter des Wunderlauchs länglich, lanzettlich und sind auf der Unterseite deutlich gekielt. Die Blätter sind grundständig, bilden also keinen eigentlich Blattstiel – vielmehr scheint das ganze Blatt direkt aus dem Boden zu kommen. Der Stängel, an dem die Blüte wächst, ist deutlich dreikantig. Blätter und Stängel entspringen ebenfalls aus einer Zwiebel, diese ist jedoch deutlich runder. Der Blütenstand ist nicht kugelförmig, die weißen Blüten besitzen lange Stiele und hängen wie kleine Glockenblumen vorn über.

Den Wunderlauch findet ihr ebenfalls von März bis Juni, er blüht aber etwas früher als der Bärlauch.

Vorsicht vor Geruch - und Geschmackstests!

Nicht immer ist eine Verwechslung so angenehm unproblematisch wie mit dem Wunderlauch. Gerade vor der Blüte sind Verwechslungen mit dem Maiglöckchen, der Herbstzeitlosen oder den Blausternen möglich. Ersteres ist sogar häufig in Bärlauchbeständen anzutreffen. Im Gegensatz zum Wunderlauch sind diese Arten nicht weiter mit dem Bärlauch verwandt und besitzen auch nicht den typisch knoblauchartigen Duft. Darum scheint die oft empfohlene Geruchsprobe zunächst einmal eine einfache Methode zu sein, die giftigen von nicht giftigen Doppelgänger*innen zu unterscheiden. Doch davon ist in der Praxis dringend abzuraten. Denn habt ihr einmal den Bärlauch richtig bestimmt und gesammelt verbleibt der Geruch an euren Fingern. Wenn ihr nun versehentlich Blätter des Maiglöckchens oder einer anderen Pflanze sammelt und daran riecht, werden auch diese für euch einen Geruch nach Bärlauch haben.

Bärlauch Erkennen - Verwechslungspartner

Maiglöckchen

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis ) wächst von März bis Oktober. Die Blätter sind derber als die des Bärlauchs und wirken im Vergleich ledriger. Oft sind sie bläulich-weiß bereift, die Blattunterseite ist glänzend und nicht matt. Am besten erkennt ihr den Unterschied, wenn ihr euch die Blattstiele genau anschaut. Diese sind nämlich rund oder höchstens flach. Zudem wachsen zwei Blätter ineinander spiralig verwunden. Auf den ersten Blick wirkt es als entspringen zwei Blätter einem Stiel, der nicht aus einer Zwiebel, sondern aus einem rötlichen Rhizom entwächst. Die weißen Blüten blühen typischerweise im Mai. Maiglöckchen wachsen nicht in Horsten (s.o.), sondern eher verstreut – wodurch sie allerdings auch immer wieder ihren Weg in einen Bärlauchbestand finden! Beeren und Blüten sind besonders giftig.

Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) blüht im Spätsommer bis Herbst – das lässt sich gut an ihrem Namen ableiten. Von April bis Juni bildet sie große Kapselfrüchte und mehrere steife Blätter aus, die aus einer zwiebelartigen Sprossknolle entspringen. Die Blätter sind schmal und besitzen im Frühjahr – zur Bärlauch Saison – keine Blattstiele. Zudem sind die Blätter etwas dickfleischig und sehr steif. An der Spitzte sind sie zu dieser Zeit oft knötchenartig zusammengezogen. Die Blüte ähnelt derer von Krokussen und ist hellviolett , zur Blütezeit haben sich die Blätter bereits zurückgezogen. Die Herbstzeitlose findet ihr meist auf feuchten und nährstoffreichen Wiesen, aber auch an Böschungen oder Auenwäldern. Das Gift der Herbstzeitlosen ist sehr stark und nur wenige Blätter der Pflanze können schon zum Tod führen.

Blausterne

Die verschiedenen Arten der Blausterne können ebenfalls zu Verwechslungen, vor allem mit dem Berliner Lauch, führen. Hier ist vor allem der Sibirische Blaustern (Scilla siberica) zu nennen, da dieser in Deutschland am häufigsten anzutreffen ist. Die Blätter sind länglich und an der Spitze wie bei einem Schiffskiel etwas eingerollt. An einem Spross befinden sich zwei bis vier Blätter, die aus einer Zwiebel entspringen. Die Blüten sind – wie der Name vermuten lässt – blau und hängen etwas nickend am Stängel. Der Sibirische Blaustern  ist von März bis Juni zu finden und blüht bereits im März. Er wächst gerne in Parks, in offenen und feuchten Wäldern. Alle Pflanzenteile des Blausterns sind giftig, vor allem die Samen und die Zwiebel.

Wo finde ich in Berlin Bärlauch und Wunderlauch?

Quellen:

Quellen

Jäger, E. J. et al. (2017): Rothmaler. Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen:Atlasband. 13. Auflage. Berlin: Springer Spektrum

Vogel, J. (2014): Pflanzliche Notnahrung. Survivalwissen für Extremsituationen. Stuttgart: Pietsch Verlag

Fleischhauer, S. G. et al. (2019): Essbare Wildpflanzen. 200 Arten bestimmen und verwenden. München: At Verlag

Bocksch, m. (2011): Das praktisvhe Buch der Heilpflanzen. München: BLV Buchverlag GmbH & Co. KG

Rote Liste der etablierten Gefäßpflanzen Brandenburgs (und Berlins) abgerufen am 12.02.2022 unter https://lfu.brandenburg.de/lfu/de/ueber-uns/veroeffentlichungen/detail/~01-01-2006-zeitschrift-naturschutz-und-landschaftspflege-in-brandenburg-beilage-zu-heft-4-2006