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Wann Wildkräuter sammeln?
Praxistipps

Wann sollte man Wildkräuter sammeln?

Wann Wildkräuter sammeln?

Wann ist die beste Zeit, um Wildkräuter zu sammeln? Sowohl auf die Tageszeit als auch auf die Jahreszeit bezogen? Schaut man in die gängige Wildkräuterliteratur, gibt es ganze Tabellen mit dem richtigen Zeitpunkt für das Sammeln. Oft ist nicht so ganz ersichtlich, ob es sich dabei um spirituell oder weltanschauliche begründete Angaben handelt, oder ob sich die Veränderung mit messbaren Stoffwechselvorgängen innerhalb der Pflanze zurückzuführen ist. Wir schauen uns im folgenden Artikel an, welchen Einfluss die Jahreszeit, als auch die Tageszeit auf bestimmte Inhaltsstoffe hat und geben Tipps für den richtigen Zeitpunkt des Sammelns.

Zu welcher Tageszeit sammelt man am besten Wildkräuter?

Beginnen wir mit der Tageszeit. Sollte man besser morgens, mittags oder abends sammeln? Richtig ist, dass Tageszeit und Wetter einen Einfluss haben auf den Gehalt vieler Inhaltsstoffe. So verdampfen teile der ätherischen Öle in der Mittagshitze, auch ist der Flavonoidgehalt einiger Pflanzen am Vormittag größten. Jedoch zeigen einige Studien, dass der Einfluss der Tageszeit nicht so hoch ist, dass wir als Hobbysammler*innen den Zeitpunkt des Sammelns daran anpassen müssten. Die Schwankungen betragen selten mehr als 20%. Für Landwirt*innen und andere Menschen, die im großen Maßstab Wirkstoffpflanzen anbauen, ist das natürlich sehr relevant, für uns weniger. Man sammelt einfach dann, wenn es in den Tagesablauf passt und muss sich für Sonntag früh nicht den Wecker stellen.

Leider lässt sich keine einheitliche Regel festlegen, wie „Pflanzen haben morgens den höchsten Wirkstoffgehalt.“ Die Vorgänge in Pflanzen sind hoch komplex und von vielen inneren, wie äußeren Faktoren abhängig. Nicht nur, dass der Gehalt von Stoff X auf der Ebene des Tagesverlaufs ganz anders sein kann als bei Stoff Y, auch gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Pflanzenarten. Als wäre das nicht genug, kann auch der Standort einen Unterschied machen, selbst innerhalb derselben Art. Bei der einen Pflanze am Ort X ist der Vitamin C Gehalt morgens vielleicht am höchsten, bei einer anderen an Ort Y eher am Nachmittag.

Und zu welcher Jahreszeit sammelt man am besten Wildkräuter?

Pflanzen befinden sich je nach Zeitpunkt in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Im Frühling sind die Triebe und jungen Blätter sehr zart und frisch, weshalb sie dann oft besonders lecker als Salat sind. Außerdem kann der jahreszeitliche Zeitpunkt einen Einfluss auf die enthaltene Wirkstoffmenge haben. Jedoch sind die Wirkstoffe und deren Vorkommen so unterschiedlichen, dass es keine einheitlichen Regeln gibt. Da wir uns hier auf Hobby- und Selbstversorgung – Ebene bewegen und die Schwankungen ähnlich wie bei der Tageszeit zu vernachlässigen sind, muss man sich nicht auf bestimmte Monate beschränken. Auch wenn die Wurzeln vieler Pflanzen zum Herbst hin die höchste Konzentration an bestimmten Stoffen haben, sollte man sich davon nicht abhalten lassen, diese bei Bedarf bereits im Frühjahr und Sommer zu sammeln. Zu guter Letzt kommen einige Pflanzenarten oder deren Blüten nur in bestimmten Monaten vor, andere dagegen wachsen das ganze Jahr, so findet man z.B. blühende Taubnesseln im tiefsten Winter.

Fakt ist, dass es zum Gehalt von für uns interessanten Inhaltsstoffen bei hierzulande heimischen Pflanzen so gut wie keine Studien gibt.  Zu einzelnen Pflanzenarten gibt es internationale Studien, doch beziehen diese sich immer auf ein bestimmtes Gebiet und das lässt sich nicht unbedingt auf Mitteleuropa , geschweige denn auf die Fläche, auf der du sammeln möchtest, übertragen. Da wir unsere Daten nur von wissenschaftlichen Studien und Analysen ziehen und einen naturwissenschaftlichen Anspruch haben, wenn es um die Deutung geht, können wir dir hier leider keine schicke Tabelle mit dem Titel „jahreszeitlicher Gehalt von Inhaltsstoffen unserer Pflanzen“ bieten. Tut uns Leid! Solltest du so etwas im Internet finden, kann eine Seriosität getrost bezweifelt werden.

Die Stoffgehalte der Brennnessel können über das Jahr stark schwanken

Dass man hier leider keine einfache Regel anwenden kann, lässt sich am Beispiel Brennnessel gut zeigen. Eine Studie aus den USA hat die Inhaltsstoffe der großen Brennnessel im Frühling und im Herbst gemessen. Dabei kam heraus, dass der Vitamin C Gehalt im Herbst am höchsten war, der Vitamin A Gehalt und der Mineraliengehalt hingegen im Frühling. Bei anderen Pflanzen und an anderen Orten werden wiederum andere Trends festgestellt. Du siehst also: so einfach lässt sich also leider nicht sagen. Damit wir dir trotzdem etwas mitgeben können, haben wir alle faktenbasierten Tipps zu diesem Thema zusammengetragen:

Nicht jede Pflanzenart gibt es zu jeder Zeit. Das klingt super logisch und das jahreszeitliche Vorhandensein und Verschwinden vieler Arten ist der hauptsächliche „limitierende Faktor“ beim Kräutersammeln.

Im Spätherbst und Winter verlangsamen sich die Vorgänge innerhalb der Pflanzen, zum Teil sterben diese ganz oder teilweise. Je „oller“ und unansehnlicher Laubblätter dann sind, desto weniger Inhaltsstoffe haben diese dann noch. Schließlich „ziehen“ viele Pflanzen Nährstoffe und Mineralien aus dem Laub ab, es wäre ja verschwenderisch, diese mitsamt der Blätter zu verlieren.

Im Frühling sind viele Pflanzenteile besonders zart und lecker. Das heißt aber nicht zwingend, dass sie dann auch den höchsten Gehalt an allen relevanten Inhaltsstoffen haben.

Im Herbst werden bei Mehrjährigen Pflanzen oft Reservestoffe in der Wurzel eingelagert. Leider verholzen diese dann aber auch.

Über Wildkräuter im Winter haben wir einen eigenen Artikel geschrieben, schau hier:

Samen sammelt man am besten, kurz nachdem sie reif geworden sind, was oft im Spätsommer der Fall ist. Auch die meisten Wildfrüchte sammelt man in der Regel zwischen August und Oktober.

Einige Pflanzen bilden ab dem Spätsommer verstärkt Bitterstoffe – so ist der Beifuß im Sommer noch kaum bitter, im Herbst dagegen schon.

Sammel nur so viel, wie du auch wirklich benötigst und lass kleine Bestände stehen. Wenn sich der Bestand entwickeln kann, kannst du und andere dort nachhaltig sammeln.

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Quellen:

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Veit et al., »Diurnal Changes in Flavonoids.« Journal of Plant Physiology, 1995.

Hopfinger et al., »DIURNAL VARIATION IN THE ESSENTIAL OILS OF VALENCIA ORANGELEAVES.« American Journal of Botany, 1979.

Platenius, Hans, »Diurnal And Seasonal Changes In The Ascorbic Acid Content Of Some Vegetables.« Plant Physiology, 1945.

Rezaei et al. »Diurnal Changes in Essential Oil Content of Coriander {Coriandrum sativum L.) Aerial Parts from Iran.« Research Journal of Biological Sciences, 2009.

Rutto et Al., Mineral Properties and Dietary Value of Raw and Processed Stinging Nettle (Urtica dioica L.), International Journal of Food Science, 2013