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Wildrosen - Hagebutte

Platz 1 der heimischen Vitamin C - Bomben

Wir alle kennen die Rosen, möglicherweise sogar aus dem eigenen Garten. Was viele nicht wissen: Die duftenden Sträucher sind nicht nur ein Augenschmaus, sondern in vielerlei Hinsicht nützlich. Die vitaminreichen Früchte und zarten Blütenblätter finden in der Pflanzenheilkunde, Kosmetik und in der Küche Verwendung. Wir erklären dir den Unterschied zwischen Kultur- und Wildrosen und wie sie den Menschen über die Jahrtausende bis heute begleitet haben. Außerdem erfährst du, warum Dornröschen genaugenommen einen anderen Namen tragen müsste.

Kapitel 1: Merkmale

Bei den Wildrosen handelt es sich zwar gleich um eine ganze Pflanzengattung, trotzdem weisen ihre heimischen Vertreter einige sehr homogene Merkmale auf. Dazu zählt eine Blüte mit genau fünf farbigen Kronblättern und vielen Staubblätter. Im Gegensatz dazu ist bei vielen Kulturrosen das Innere der Blüte durch zusätzliche Blütenblätter dicht gefüllt, welche meist aus umgebildeten Staublättern hervorgegangen sind. Auf diesem Weg sind die Staubblätter in ihrer Funktion abgeschafft worden oder unzugänglich gelegen, was in beiden Fällen eine Insektenbestäubung verhindert. Insgesamt handelt es sich bei den Wildrosen um Sträucher, die entweder aufrecht wachsen oder sich kletternd emporranken.

Ein besonders markantes Merkmal sind die fleischigen Sammelnussfrüchte, die uns als Hagebutten bekannt sind. Hagebutte ist also nicht Pflanze selbst, sondern lediglich ihre Frucht. So, wie der Apfel die Frucht des Apfelbaumes ist.  Der Begriff Sammelnussfrucht deutet darauf hin, dass die Hagebutte eine Scheinfrucht ist. Das „Fruchtfleisch“ ist, botanisch betrachtet, aus dem Gewebe des Blütenbechers gebildet und umfasst die eigentlichen, harten Nussfrüchte („Kerne“) darin.

Die Laubblätter der Wildrosen sind in mehrere, kleinere Blättchen unterteilt.

Kapitel 2: Botanisches

Wildrosen bilden zusammen mit den Kulturrosen die botanische Gattung Rosa (Rosen) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Zu den Wildrosen gehören über 100 verschiedene Arten. Die Bestimmung der genauen Art erweist sich zuweilen als äußerst schwierig, da in einem Gebiet mit mehreren engverwandten Arten häufig Zwischenformen auftreten. Insbesondere innerhalb der Gruppe der Caninae, zu denen auch die heimische Hunds-Rose gehört, kommt es durch einen speziellen Fortpflanzungsmechanismus (balancierte Heterogamie) vermehrt zur Hybridisierung. Ein Hybrid ist ein „Mischling“ aus Individuen unterschiedlicher Gattungen, Arten oder Unterarten. Die Kulturrosen sind Züchtungen, bei denen es sich meist ebenfalls um künstliche Kreuzungen verschiedener Wildrosen-Arten handelt. Neben den Rosen gehören auch viele essbare Obstsorten zu der Familie der Rosengewächse: Krautige Pflanzen wie die Erdbeere, Sträucher (z.B. Himbeere) oder Obstbäume, wie etwa Äpfel, Kirschen oder Pflaumen.

Wildrosensträucher können ein verblüffend hohes Alter erreichen. Das Exemplar einer Hunds-Rose am Hildesheimer Dom ist schriftlich seit über 400 Jahren belegt, könnte jedoch nach neusten Erkenntnissen bereits seit 700 Jahren die Mauern der Kirche zieren. Der Legende nach geht sie sogar auf das Jahr der Bistumsgründung 815 zurück und gilt daher als Wahrzeichen des Bistums. Selbst nach dem die oberirdischen Pflanzenorgane im zweiten Weltkrieg weitestgehend abbrannten, sprossen wenig später bereits 25 neue Triebe aus der Wurzel der Dom-Rose. Das demonstriert die ausgesprochene Robustheit der Wildrosen. Während die meisten Arten ihr Blätterkleid im Winter abwerfen (es gibt auch wenige immergrüne Arten), verbleiben die roten Früchte oft bis in den tiefsten Winter am Strauch und dienen so vielen Tieren als willkommener Vitamin-Kick in den kalten Monaten.

Rosen verfügen über auffallende und teils stark duftende Blüten, produzieren jedoch nur in wenigen Fällen Nektar. Trotzdem werden die Pflanzen gerne von diversen Insekten, darunter Käfer, Wildbienen oder Fliegen, zum Sammeln von Pollen aufgesucht. Wie bereits erwähnt sollte in einem insektenfreundlichen Garten, stets die heimische Wildrose gegenüber der Kulturrose bevorzugt werden, da nur hier die Staubblätter für die Bestäuber ausreichend zugänglich sind. Viele Zuchtsorten sind sogar komplett steril, wodurch die Hagebuttenernte ausfällt und so auch Vögeln eine nahrhafte Futterquelle im Winter vorenthalten wird.

Die Verbreitung der Samen in den Hagebutten erfolgt über hungrige Säugetiere und Vögel, meist nach Passieren des Verdauungstraktes (Endozoochorie) oder durch das Verschleppen der Früchte beispielsweise durch Eichhörnchen.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Die Hagebutten der heimischen Wildrosen verfügen über einen bestechend hohen Gehalt an Vitamin C und stellt damit die Früchte aller anderen hiesigen Wildpflanzen in den Schatten. Daneben findet sich ein beachtlicher Anteil an Vitamin B2, Fruchtsäuren und verschiedenen Nährstoffen wie Magnesium. Geschmacklich sind die Hagebutten je nach Spezies säuerlich-süß bis herb, in rohem Zustand dominiert der saure Geschmack des Vitamin C. Besonders verbreitet ist die Verwendung der Hunds-Rose (Rosa canina) auf Grund des zarten Geschmacks und Konsistenz der länglichen Früchte.

Hagebutten in der Küche

Hagebutten können zu saurem Fruchtmus verarbeitet oder zu köstlichem Sirup eingekocht werden. Gerade in den Wintermonaten kann ein vitaminhaltiger Hagebutten-Tee die Vorbeugung von Erkältungen unterstützen. Sie wird sogar getrocknet und in Pulver-Form als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Im Prinzip sind die Hagebutten aller mitteleuropäischer Wildrosen essbar.

Auch die aromatischen Rosenblätter finden Verwendung: Als Teeaufguss In der Naturheilkunde oder in Form von Rosenöl in der Aromatherapie und Kosmetik. Der Hauptwirkstoff ist hier das ätherische Öl, welches sich aus verschiedenen Monoterpene zusammensetzt. Zur Herstellung von einem Kilogramm Rosenöl benötigt es 4000-5000 kg Rosenblütenblätter.

FAQ: Was hat es mit den Kernen in den Hagebutten auf sich? Kann man die mitessen?

Manchen von uns hat sich das sogenannte Juckpulver in der Kindheit ins Gedächtnis gebrannt. Kinder zerreiben gerne die Nussfrüchte („Kerne“) aus dem inneren der Hagebutte, um das Pulver anderen anschließend in den Kragen zu schütten. Der Juckreiz entsteht durch feine Härchen auf der Oberfläche der Nüsschen, welche wiederum mit winzigen Widerhaken versehen sind.

Bei der Herstellung von Hagebuttenmarmelade oder ähnlichem, sollten die Kerne daher vorher entfernt werden. Das gelingt zum Beispiel indem man die Hagebutten längs halbiert, die Kerne mit einem kleinen Löffel herausschabt und die Fruchthülle schließlich kurz abspült. Eine weitere Möglichkeit ist es die Hagebutten im Ganzen einzukochen und die weiche, eingestampfte Masse am Ende durch ein sehr dünnes Sieb oder Tuch zu streichen.

Heilwirkung von Hagebutte

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Hagebutte aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Durch die ESCOP anerkannt ist die Anwendung der Hagebuttenschalen zur unterstützenden Behandlung von Erkältungen und Grippe-Symptomen. Die Früchte sollen außerdem förderlich auf die Linderung von Gelenkschmerzen und -steifheit wirken, wie sie bei einer Arthrose auftreten. Gestützt ist die Einschätzung auf einer langjährigen Anwendung am Menschen.

Die Wirkung von Rosenblättern konnte nicht wissenschaftlich belegt werden, wurde jedoch als „traditionelles pflanzliches Heilmittel“ eingestuft, das bei leichten Entzündungen der Haut und des Mund- und Rachenraums in Form eines Teeaufguss eingesetzt wird.

Die Untersuchung durch die Kommission E ergab keine Einstufung als Heilpflanze, sie sah allerdings auch kein Risiko in der Verwendung von Hagebutten. Auf Grund mangelnder wissenschaftlicher Datenlage konnte damals kein anerkannter, medizinischer Nutzen der Einnahme von Hagebutten festgestellt werden. Allerdings arbeitet die Kommission nur zwischen 1983 und 1994 und konnte aktuellere Studien folglich nicht berücksichtigen.

Heilwirkung von Hagebutte aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

In der Naturheilkunde wird die gesamte Frucht mitsamt Kernen als Tee gegen Nierenbeschwerden und Gallensteine genutzt. Volksheilkundlich verwendete man den Blüten-Tee der Hunds-Rose gar bei Verstopfung, Magenkrämpfen und sogar bei Lungenentzündungen.

Zu erklären sind diese Anwendungen teils durch die leicht harntreibende und abführende Wirkung hoher Vitamin C Mengen.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Generell lauern bei den Rosen keine Gefahren. Verwechslung tritt nur zwischen verschiedenen Rosenarten auf. Alle heimischen Wildrosen sind essbar, wenn auch der Geschmack und Vitamingehalt der Hagebutten von Art zu Art schwanken kann. Besonders empfehlenswert ist in dieser Hinsicht die Hunds-Rose (R. canina), welche glücklicherweise gleichzeitig die häufigste wildwachsende Art in unseren Breiten ist. Auch die Apfelrose (R. villosa) oder die kreisrundlichen Hagebutten der aus Ostasien eingeschleppten Kartoffel-Rose (R. rugosa) sind analog zu verwenden.

Obacht ist nur bei den Trivialnamen geboten: Nicht jede “Rose” ist auch wirklich eine Rose! Die Blüten der Pfingstrosen (Paeonia sp.) zum Beispiel erinnern an Rosenblüten, doch besteht keinerlei Verwandtschaft. Von der Verwendung ihrer Blütenblätter sollte abgesehen werden, da Pfingstrosen nicht über die entsprechenden ätherischen Rosenöle verfügen und sogar als leicht giftig eingestuft werden. Zumal sie keine Hagebutten ausbilden, ist die Verwechslung nach der Blütezeit ohnehin hinfällig. Doch das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist: Pfingstrosen haben keine Stacheln!

FAQ: haben Rosen Dornen oder Stacheln?

An dieser Stelle räumen wir auch gleich mit einem anderen sprachlichen Missverständnis auf: Rosen besitzen Stacheln, keine Dornen. Dornen entsprechen Pflanzenorganen wie Blätter oder Seitentriebe, die sich im Laufe der Evolution zu spitzten Gebilden umgewandelt wurden. Bei Stacheln handelt es sich hingegen nur um sogenannte Emergenzen, also Auswüchse von oberflächlichen Geweben unterhalb der Pflanzenhaut. Aus diesem Grund sind Stacheln oft daran zu erkennen, dass sie sich einfacher abbrechen lassen als ihr Pendant.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale der Wildrosen (Hagebutten) zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Hagebutten , wo kann ich sie am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Hagebutten zu Sammeln?

Die häufigste unserer Wildrosen ist die Hunds-Rose. Ihre zart rosafarbenen Blüten erstrahlen im Juni und Juli. Die leuchtend roten Hagebutten reifen von August bis Oktober und sind bis in den Winter anzutreffen. Generell sind Wildrosen sehr genügsam und robust. Sie tolerieren diverse Standorte, bevorzugen allerdings eher sonnige bis halbsonnige Stellen mit nährstoffreichem Boden. So begegnen uns die Wildrosen am Ackerrand, Waldrand, auf Wiesen und in Parks.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Hagebutte? Was haben unsere Vorfahren mit Wildrosen verbunden, welche Mythen ranken sich um isie? Was gibt es sonst noch interessantes über Hagebutten zu berichten?

Das Wort hagen bedeutete im Mittelhochdeutschen so etwas wie “Dornbusch” , was wiederum von hegen, also abgrenzen / umzäunen abgeleitet wird. Tatsächlich wurden Sträucher auch zu diesem Zwecke gepflanzt. Zu finden ist dieser Begriff noch in “Hegen und Pflegen”. Butte war ein runder Gegenstand. Um die Rosen ranken sich vielzählige Geschichten und Aberglauben. Die ersten Rosengärten wurden schon vor ungefähr 5000 Jahren in China angelegt und auch erste Züchtung hatten hier ihren Anfang. In der griechischen Antike entwickelte sich die Rose zum Symbol der Aphrodite und gilt seither als Symbol für die Liebe. Die Griechen feierten die Rose als „Königin der Blumen“ (Dichterin Sappho 600 v. Chr.) und versahen die heimkehrenden Krieger zur Ehre mit Rosenkränzen. Das Rosenöl und die Blütenblätter galten im römischen Reich als Luxusgut, doch wurde die Rose durch den verschwenderischen Umgang zum Sinnbild der obzönen Dekadenz der römischen Oberschicht. Die Germanen assoziierten die Heckenrose mit ihrer Götting Freya, weshalb die Blüte nur an ihrem Tag, dem Freitag, zu Heil- und Glaubenszwecken gepflückt werden sollte. Der Dornenstrauch schützte im Volksglauben davor verhext zu werden.

Auch im christlichen Glauben ist die Rose seit dem Mittelalter fest verankert. Die weiße Rosenblüte, als Symbol der Jungfrau Maria, fand Einzug in die Architektur gotischer Kathedralen und kann dort bis heute bestaunt werden. Die ornamentalen Fenster wurden meist kreisförmig in der Form einer offenen Rosenblüte angeordnet. Mit Eintritt der Neuzeit verlagerte sich die Rosenzucht vom Klostergarten in die streng gepflegten Rosengärten des europäischen Hofadels. Die prosperierende Schifffahrt ermöglichte die Kreuzung mit Arten aus fernen Ländern und verhalf so zu einer explosionsartigen Zunahme der Zuchtsorten.  Übrigens ist das Kinderlied „ein Männlein steht im Walde“, der Hagebuttenfrucht gewidmet.

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Quellen:

Jäger, Eckehart J.. Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Deutschland, Springer Berlin Heidelberg, 2016.

Bochsch, Manfred. Das praktische Buch der Heilpflanzen. BLV Buchverlag GmbH & Co.KG, 2016.

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/pflanzen/wildpflanzen/23026.html (Abgerufen am 10.10.21 um 9:55)

https://www.umweltbundesamt.de/gesunde-rosen#Rosen-Wildrosen (Abgerufen am 10.10.21 um 14:34)

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Hildesheim-Tausendjaehriger-Rosenstock-traegt-erste-Blueten,aktuellhannover8656.html (Abgerufen am 10.10.21 um 12:07)

https://www.sueddeutsche.de/panorama/kirche-hildesheim-hildesheimer-dom-tausendjaehriger-rosenstock-in-voller-buete-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200528-99-219008 (Abgerufen am 10.10.21 um 11:45)

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/pflanzen/zierpflanzen/12600.html (Abgerufen am 10.10.21 um 11:32)

https://www.ndr.de/ratgeber/garten/zierpflanzen/Wildrosen-pflanzen-schneiden-und-pflegen,wildrosen100.html#:~:text=Wildrosen%20sind%20sehr%20robust&text=Sie%20w%C3%A4chst%20auch%20auf%20kargen,weder%20ged%C3%BCngt%20noch%20gegossen%20werden (Abgerufen am 10.10.21 um 18:12)

https://www.planet-wissen.de/natur/pflanzen/rosen/index.html#:~:text=Bevor%20man%20Rosen%20wegen%20ihrer,rund%205000%20Jahren%20in%20China.&text=Durch%20Kreuzungen%20und%20Z%C3%BCchtungen%20immer,bis%20zu%2030.000%20verschiedene%20Rosensorten. (Abgerufen am 10.10.21 um 18:41)