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Sind Wildkräuter belastet?
Sind Wildkräuter belastet?
Gefahren beim Wildkräuter Sammeln

Teil II Bodenbelastung

In Teil I habt ihr erfahren, welche Gefahren von schädlichen Stoffen ausgehen können, die mit dem Straßenverkehr zu tun haben. In diesem Teil schauen wir uns Belastungen anderer Art an, denn nicht nur Autos können Böden verunreinigen, auch kann die frühere Nutzung einen potentiellen Sammelort unbrauchbar machen. Früher wurde so allerhand offen auf Grundstücken gelagert, zum Teil sogar absichtlich verrieselt. Wo man am besten nichts sammeln sollte und um welche Stoffe es sich dabei handelt, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Welche schädlichen Stoffe können in Böden vorkommen?

Wie in vorherigem Teil I unserer Reihe „Gefahren beim Wildkräuter Sammeln“ beschrieben, können bestimmte Pflanzenarten verschiedene Schadstoffe aufnehmen und einlagern. Das wird zum Teil sogar genutzt, um Bodenbelastungen zu reduzieren. Dafür werden Pflanzenarten in einem kontaminierten Gebiet ausgesät und später , nachdem sie als erwachsene Pflanzen einen Teil der Stoffe eingelagert haben, wieder entfernt und andernorts unschädlich gemacht. Doch welche schädlichen Stoffe können bei uns im Boden vorkommen, welche auch von den Pflanzen aufgenommen werden können? Sind Wildkräuter belastet?

Organische Schadstoffe
Sind Wildkräuter belastet?

Beginnen wir mit den sogenannten organischen Schadstoffen. „Organisch“ klingt zunächst einmal relativ harmlos. So könnte man meinen, „organisch“ sei gleichbedeutend mit „biologisch“ oder „natürlich“, also nicht weiter problematisch. Dem ist nicht so. „Organisch“ bedeutet in der Chemie lediglich, dass Kohlenstoffatome innerhalb des Moleküls vorkommen, dabei ist es völlig unerheblich, ob es sich um einen veganen Hackbraten oder um Autolack handelt.

PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe)

PAKS werden in manchen Industriezweigen verwendet, meistens entstehen sie jedoch als Nebenprodukt und gelangen nicht selten in die Umwelt. PAKS sind krebserregend und können Entzündungen provozieren.

BTEX (Aromatische Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol)

Als Rohstoffe und Nebenerzeugnisse in der Industrie weit verbreitet und in Gewerbegebieten und leider auch an Straßenrändern fast immer nachweisbar. Sie können Niere und Leber schädigen, Benzol ist zusätzlich krebserregend.

LCKW (Leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe)

Diese organischen Verbindungen finden und fanden bei der Kunststoffproduktion Anwendung und dienen als Lösungs- bzw. Reinigungsmittel, auch wenn Produktion und Verwendung in Deutschland zurückgehen. Auch diese möchte man nicht in sich haben, zum Teil könnte das durch das Verzehren von Pflanzen geschehen, die diese Stoffe zum Teil aufnehmen.

Pflanzenschutzmittel (z.B. DDT)

Das als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte DDT ist bei uns seit Ende der 70er geächtet und darf hier weder hergestellt, noch vertrieben werden. Da es extrem langsam abgebaut wird, kann es auch heute noch regelmäßig im Boden vorgefunden werden. Zum Teil kann es von Pflanzen aufgenommen und eingelagert werden. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Pflanzenschutzmittel, bei denen die Langzeitwirkung noch nicht bekannt ist. Wir empfehlen, nicht an Rändern von intensiver Landwirtschaft oder auf Bauernhöfen, die mit „harten“ Pflanzenschutzmitteln arbeiten, zu sammeln.

Anorganische Schadstoffe

Neben den organischen Stoffen gibt es eine Reihe weiterer Schadstoffe, die keine Kohlenstoffe in sich tragen und als „anorganisch“ bezeichnet werden. Im folgenden Abschnitt wirst du wahrscheinlich einige Aha – Momente erlangen und wahrscheinlich einige Vorurteile über Schwermetalle über Bord werfen müssen.

Schwermetalle:

Schwermetall. Allein das Wort führt bei sehr sensiblen Menschen bereits zu Haarausfall und Atemnot. Was die wenigsten jedoch wissen: Sehr viele bekannte (und sonst als eher weniger gefährlich eingestufte) Metalle sind Schwermetalle. Dazu gehören zum Beispiel Eisen, Silber, Gold, Platin und Kupfer. Laut Definition ist ein Metall ein Schwermetall ab einer Dichte größer als 5,0 g/cm³.

Man kann also nicht pauschal sagen, dass Schwermetalle gesundheitsschädlich sind, im Gegenteil: zum Teil benötigen wir diese zwingend: Eisen, Mangan, Kupfer, Chrom, Kobalt, Nickel und Zink sind nicht selten überlebenswichtige (Schwer-)Metalle, zumindest in den „richtigen“ , teils sehr geringen Mengen. Eine Überdosierung kann hier, wie bei allem, auch sehr schädlich wirken. Und diese Überdosierung ist manchmal schnell erreicht, vor allem wenn man Pflanzen zu sich nimmt, die eine Menge davon akkumuliert haben. Dann gibt es noch Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber, und das bekannte Blei, die keine bekannten Funktionen im Körper haben und nur negative Auswirkungen haben.

Arsen:

Arsen ist ein Halbmetall, welches in Form der Verbindung Arsen(III)-oxid früher nicht nur gerne für heimliche Giftmorde verwendet wurde, auch fand und findet es in der Medizin Anwendung. Einige Verbindungen mit Arsen werden als hochtoxisch eingestuft und zum Teil wird es bei uns in Böden vorgefunden, welche arsenhaltige Gesteine beherbergen oder in denen Erzbergbau betrieben wurde. Arsen kann mehrere hundert Jahre  im Boden verbleiben und von Pflanzen aufgenommen werden. Diese nehmen Arsen aus dem Boden normalerweise zwar nur in recht geringen Mengen auf, weitaus stärker jedoch auf verdichteten und nassen Böden.

Welche Standorte sind belastet?

(Ehemalige) Militärgelände

Dass man aktive MIlitärgelände nicht betreten sollte, ist klar. Aber auch ehemalige Militärgelände sollten nicht zum Sammeln von Wildkräutern genutzt werden. Arsen und Blei kommen hier nicht selten in den Böden in Form von Munitionsresten vor.

Bahngleise

Entlang von Bahngleisen sollte man keine Wildkräuter sammeln. Zum einen wird und wurde dort in Massen Pflanzenvernichtungsmittel gespritzt, zum anderen findet man dort häufig PAK und Schwermetalle.

Ehemalige Rieselfelder

In den Böden ehemaliger Rieselfelder kommen zum Teil noch Schwermetalle vor. Man kann jedoch sagen, dass nach einigen Jahren bereits ein Großteil in für die Pflanzen nicht verfügbare Schichten versickert ist. Wer sicher gehen will, fragt bei der Behörde nach.

(Ehemalige) Industriegebiete

Man will besser gar nicht wissen, was dort früher gelagert wurde und zum Teil noch wird. Alle möglichen Formen von Schadstoffen können hier im Boden vorkommen, besser sammelt man hier garnicht erst.

Ränder stark befahrener Straßen

Wie du bereits in Teil I unserer Reihe “Gefahren beim Wildkräutersammeln” erfahren hast, sollte man nicht in der Nähe von stark befahrenen Straßen. Reifenabrief, unverbranntes Öl und vieles mehr können die Böden vor Ort zum Teil stark belasten.

Müllhalden

Wahrscheinlich wärst du sowieso nicht auf die Idee gekommen, Wildkräuter auf einer Müllhalde zu sammeln. Falls du es doch vorhattest: lass es lieber. Dort können die Böden stark belastet sein.

Ehemalige Erzabbaugebiete

Zum Teil hat sich die Natur an ehemaligen Erzminen und Abbaustätten sehr gut erholt und sind zu wahren Naturrefugien geworden. Wildkräuter Sammeln solltest du dort dennoch besser unterlassen, hier können die Böden stark belastet sein.

Recherche

Wer einen vielversprechenden Sammelort gefunden hat und sich erkundigen möchte, wie es dort mit Bodenbelastungen aussieht, kann sich an verschiedenen Stellen informieren. Folgende Anlaufstellen wären in der Stadt oder Gemeinde folgende Fachbereiche:

  • Umweltamt
  • Wasserwirtschaftsamt
  • Fachbereich Umwelt
  • Altlasten
  • Bodenschutz

Wer im Internet nach Karten schauen möchte, findet diese oft mit folgenden Begriffen:

  • Name der Stadt / Gemeinde
  • GIS
  • Geoportal
  • Bodenkarte
  • Karte Bodenbelastung

Fazit:

Es ist schon erstaunlich, wie viele verschiedene Gift- und Schadstoffe der Mensch so in den Boden gebracht hat, von dem wir leben. Wenn man weiß, welche Schadstoffe es gibt und wo diese vermehrt vorkommen, kann man relativ bedenkenlos drauf los sammeln. Und wer sich unsicher ist, kann immer noch bei den zuständigen Ämtern und Fachbereichen nachfragen. Dafür sind sie ja auch da.

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Quellen Sind Wildkräuter belastet? :

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

https://www.allum.de/themen-im-ueberblick/schwermetalle,  abgerufen am 9.11.21

Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO): „Anbau von Nutzpflanzen auf arsenbelasteten Böden – Handlungsempfehlungen für  Landwirte und Gärtner“, 2013

Holm, olaf: „Entwicklung und Anwendung eines Verfahrens zur Erkundung und zum Monitoring mit LCKW kontaminierter Standorte mittels Beprobung von Pflanzen“, TU Berlin, 2011

Berger, jürgen: Ermittlung der BTEX-Aufnahmekapazität unterschiedlicher Nutzpflanzen Mitteleuropas mittels Headspace-Gaschromatographie, 2016