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Schmalblättriger Doppelsame - Wilde Rauke - Wilder Rucola

Der leckere Wildsalat

Auf den mittlerweile fast eintausend Kräuterführungen, die wir geben durften, gab es keinen Fall, bei dem Teilnehmer*innen nicht sofort eine geruchliche Verbindung zu einem bekannten Salatkraut herstellte: Rucola. Die Wildform ist so intensiv und lecker, dass sie zu unseren TOP 10 der Küchenwildkräutern gehört. Warum man ihn jedoch nicht massenhaft im Smoothie verwenden sollte, was haarige Raupen mit ihm am Hut haben und vieles mehr erfahrt ihr im folgenden Artportrait zum wilden Rucola.

Hinweis: Aufgrund der enthaltenen Erucasäure kann eine Überdosierung in Verbindung mit einer Langzeitaufnahme schädlich wirken. Wir raten vom dauerhaften Verzehr großer Mengen ab (siehe Artikel Wildkräutersmoothies – Nutzen & Gefahren)

Kapitel 1: Merkmale

Die gelben Blüten mit den vier Kronblättern lassen bereits Einsteiger vermuten, dass diese Ähnlichkeit mit dem bekannten Raps besteht.

Die Blätter der wilden Rauke sehen aus wie klassischer Rucola, das ist ja auch kein Wunder, denn die wilde Rauke IST Rucola. Auch der Geruch lässt ihn sofort erkennen, wobei man sich niemals nur auf den Geruchssinn verlassen sollte, hier sind optische Merkmale vorrangig. Ein Teil der Blätter kommt scheinbar aus dem Punkt im Boden, aus dem auch der Stängel zu kommen scheint. Daneben gibt es auch am Stängel die typischen Laubblätter. In der Blattmitte findet man einen hellen Streifen, sie sind tief eingeschnitten und etwas sägeartig (“gezähnt”).  Die gesamte Pflanze ist kaum oder nicht behaart.

Die später erscheinenden Schoten sind schmal und länglich.

Kapitel 2: Botanisches

Diese wie Kohl, Raps und Senf zu den Kreuzblütlern gehörende Kraut ist eine der beiden Arten (die andere ist die Garten-Senfrauke), die im Handel unter vielfältig gezüchteter Sorten als „Rucola“ verkauft und angeboten werden. Rucola ist übrigens überhaupt nicht mit den Blattsalaten wie Eisbergsalat oder Kopfsalat verwandt, diese gehören nämlich wie Kamille, Gänseblümchen und Co zu den Korbblütlern. Der „offizielle“ Trivialname lautet „schmalblättriger Doppelsame“, unromantischer kann eine Pflanze kaum klingen. Im Folgenden werden wir sie „wilden Rucola“ nennen.

Die immer paarig gegenüberstehenden Laubblätter des Gundermanns stehen von oben betrachtet mit dem darunterliegenden Blattpaar im Kreuz („kreuzgegenständig“), die Paare sind also immer um 90° versetzt. Die Blätter haben eine rundliche bis herzförmige Form und sind am Rand gekerbt, bilden also viele kleine „Bubbel“.  Gundermann kann zwar mithilfe der erwähnten Ausläufer recht lang werden, wird aber nicht besonders hoch: selten höher als 20cm.

Der Schmalblättrige Doppelsame ist ein im 18. Jahrhundert aus dem Mittelmeerraum eingewanderter Neophyt, der bei uns im Winter nicht selten mit den Grundblättern überwintert, also Mehrjährig ist. Wilde Rauke wird einerseits von Insekten bestäubt, nicht selten jedoch befruchtet sie sich ganz einfach selbst.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Wilder Rucola enthält gesundheitsfördernde Bitterstoffe und Senfölglycoside. Was die Wertigkeit auf Mineralstoffe und Vitamine bezogen angeht, gibt es leider keine Untersuchungen. Die ebenfalls enthaltene Erucasäure kann Herzverfettung und Veränderungen des Herzmuskels begünstigen, auch wenn hier tiefergehende Langzeitstudien fehlen. Doch solange keine Entwarnung gegeben werden kann, empfiehlt es sich, in nicht täglich über lange Zeiträume zu verwenden. Der wilde Rucola ist ansonsten ein sehr wertvolles Küchenwildkraut, das vielseitig einsetzbar ist.

Wilder Rucola in der Küche

Der wilde Rucola schmeckt viel intensiver als der Gekaufte, ist zudem kostenlos, ziemlich häufig und kann eine große Zeitspann gesammelt werden. Wer ihn einmal entdeckt und wertgeschätzt hat, wird keinen Rucola mehr kaufen müssen. Im Prinzip lässt sich die Wildform genau so verwenden, wie man auch die kultivierten Sorten verwenden würde: im Salat, mit Tomaten, als Pesto, auf der Pizza. Der scharf-bittere Geschmack macht sich aber auch hervorragend in anderen Gerichten.

Hier findest du Rezepte mit Wilder Rauke:

Heilwirkung von Wildem Rucola

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Wildem Rucola aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Es fehlen derzeit Studien zur Wirksamkeit des wilden Rucolas bei Krankheiten. Es wird Zeit!

Heilwirkung von Wildem Rucola aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

Dadurch, dass diese Art erst seit dem 18. Jahrhundert bei uns ist, war sie lange nicht im Fokus der mitteleuropäischen Naturheilkunde. Die Römer verwendeten sie als entzündungshemmendes und harntreibendes Mittel.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Der wilde Rucola kann von Einsteigern mit anderen Arten der Familie der Kreuzblütengewächsen verwechselt werden, wobei nur wenige andere Arten diese typischen „Rucolablätter“ hat. Auch wenn wir den Geruchssinn immer als schlechten Partner in Sachen Pflanzenbestimmung einschätzen, kann man hier aufgrund des sehr starken und typischen Geruches eine Ausnahme machen: riecht die Pflanze stark nach Rucola, ist sie es sehr wahrscheinlich, tut sie das nicht, besser stehen lassen. Dies reicht jedoch nicht als einziges Bestimmungsmerkmal. Des Weiteren könnte man den wilden Rucola außerhalb der Blüte mit den als krebserregenden und leberschädigenden eingestuften Greiskräutern (Senecio sp.) verwechseln, Einsteiger warten besser, bis die Blüte zu sehen ist.

Hinweis: Aufgrund der enthaltenen Erucasäure kann eine Überdosierung in Verbindung mit einer Langzeitaufnahme schädlich wirken. Wir raten vom dauerhaften Verzehr großer Mengen ab.

Greiskräuter (Senecio sp.)

Greiskräuter stehen im Verdacht, leberschädigend und cancerogen zu wirken, weshalb sie nicht gesammelt werden sollten. Einige Arten dieser Gattung haben Rucola ähnliche Blätter, Einsteiger warten die Blüte ab, denn diese ist gänzlich anders als die Rucola Blüte, auch wenn sie ebenfalls gelb blühen. Die Greiskräuter gehören nämlich zu den Korbblütlern und sind daher mit Löwenzahn und co. verwandt, mit denen sie auch denselben Blütenaufbau teilen.

Andere Kreuzblütler

Die Familie der Kreuzblütler ist sehr groß, darunter gibt es auch viele gelb blühende Arten, die allermeisten sind ungiftig, schmecken höchstens nicht besonders gut. Nur eine handvoll haben Rucolaaähnliche Blätter, gepaart mit länglichen Schoten und unbehaarten Blättern, allenvoran Vertreter der Sumpfkressen (Rorippa sp.) und Sisymbrium sp. Die giftige Art, die man theoretisch mit der wilden Rauke verwechseln kann, ist:

  • Österreichische Rauke (Sisymbrium austriacum): diese Art enthält herzwirksame Glycoside. Doch keine Angst: sie ist bei uns extrem selten, ein Finden gleicht einem 6er im Lotto. Die Blüten stehen im Gegensatz zur wilden Rauke sehr dich gedrängt.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale der Wilden Rauke zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich wilden Rucola , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um wilden Rucola zu Sammeln?

Wilde Rauke kommt bevorzugt auf Ruderalfluren, aber auch auf der einen oder anderen Wiese, jedoch nur im Offenland vor. Häufig findet man sie in Städten: ob hinter der Bushaltestelle, einer Baustelle oder Sandhaufen – sie ist dort sehr häufig zu finden. Sammeln kann man sie von April bis zum Teil in den Dezember hinein. Wilder Rucola blüht von Mai bis September.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name wilde Rauke und Rucola? Was haben unsere Vorfahren mit wildem Rucola verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über wilde Rauke zu berichten?

Der Trivialname „schmalblättriger Doppelsame“ ist offenkundig ein sehr beschreibend-botanischer Name. „Rucola“ ist italienisch und kommt ebenfalls wie das deutsche „Rauke“  von lat. „eruca“. Die Etymologen sind sich uneinig, woher dieser Name kommt, evtl. beruht dieser auf den Namen der behaarten Larve des Kohlweißlings, einer Raupe, die leibend gerne Kohl und Rauke frisst. Die bereits erwähnte Erucasäure war übrigens früher auch in Raps, erst nach dem „herauszüchten“ dieser konnte Rapsöl in großen Mengen für den täglichen Verzehr verarbeitet werden. In Garten- und Feldzuchtformen ist Erucasäure weitestgehend ebenfalls herausgezüchtet. Es gibt immer wieder Menschen, die den Geruch dieser Pflanze als unangenehm empfinden, weshalb sie auch den unrühmlichen und nicht fairen Namen „Stinkrauke“ erhalten hat. Teilweise wird sogar ein Geruch nach Schweinebraten wahrgenommen. Die schmalblättrige Doppelsame kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist deshalb relativ trockentolerant.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Sauerhoff, Friedhelm: Etxmologisches Wörterbuch der Pflanzennamen.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh Stuttgart, 2003.

Söhns, Franz: Unsere Pflanzen . Teubner, 1912.