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Schafgarbe

Die verkannte Verwandte der Kamille

Bei der Schafgarbe handelt es sich um eine der ältesten pflanzlichen Arzneien. Sie begegnet uns ständig, doch führt sie den unbedarften Sammler gleich zweifach an der Nase herum. Wir erzählen dir, wie du sie dennoch beim nächsten Mal auf den ersten Blick von giftigen Doldenblütlern unterscheiden kannst.

Das sagenumwobene Heilkraut war bereits im antiken Griechenland bekannt und diente im Laufe der Zeit als Projektionsfläche für diverse Aberglauben. Auch in der Küche findet die Schafgarbe eine Verwendung. Appetitlosigkeit, Flatulenz und oberflächliche Wunden – dagegen ist kein Kraut gewachsen, oder vielleicht doch? Hier erfährst du mehr über die Inhaltsstoffe, Wirkungsweise und warum gerade Frauen diese Pflanze unbedingt kennen sollten.

Kapitel 1: Merkmale

Wie im Vorangegangenen bereits erwähnt, besitzt die Schafsgarbe Blütenkörbchen deren Einzelblüten gemeinsam den Anschein einer einzelnen Blüte erwecken. Dieser Eindruck entsteht, da nur die vier bis sechs außengelegenen Blüten (Zungenblüten) innerhalb eines Korbes über je ein verlängertes, meist weißes Blütenblatt verfügen. Die Kronblätter der inneren Röhrenblüten sind zu einer unscheinbaren, weiß-gelben Röhre verwachsen. Die Farbe der Blütenblätter ist erstaunlich variabel. So existieren neben der dominierenden, weißen Form auch rosafarbene Ausprägungen.

Die Blätter entspringen abwechselnd dem Stängel und sind fein gefiedert. Diese kleinteilige Gliederung der Blätter spiegelt sich im lateinische Artepitheton millefolium wider, was so viel bedeutet wie „Tausendblatt“.

Insgesamt verfügt die Schafgarbe über einen markanten, leicht an Kamille erinnernden Geruch. Dabei sei jedoch Vorsicht geboten, denn aus verschiedenen Gründen sollte der Geruch einer Pflanze nie als Bestimmungsmerkmal verwendet werden.

Kapitel 2: Botanisches

Auf den ersten Blick wird die Schafgarbe gerne für einen Doldenblütler (Apiaceae) gehalten. Zwar verfügen auch Vertreter dieser Pflanzenfamilie häufig über weiße, dichtstehende Blüten, doch entdeckt man bei genauerer Betrachtung der Schafgarbe zwei wichtige Details: Zum einen besteht jede der vermeintlichen „Blüten“ in Wahrheit aus vielen Einzelblüten, die zusammen einen Blütenkorb bilden. Zu anderen handelt es sich bei der Anordnung dieser Blütenkörbe keinesfalls um eine Dolde, da nicht alle Verzweigungen aus einem Punkt entspringen. Wider Erwarten handelt es sich bei Achillea millefolium also um einen Vertreter der Korbblütler (Asteraceae), zu denen neben dem Löwenzahn auch das Gänseblümchen oder die Kamille gehören.

Hinter der Gemeinen Schafgarbe verbirgt sich eine Artengruppe, die viele Kleinarten umfasst. Die genaue Zusammensetzung der Inhaltsstoffe kann auf diese Weise recht stark variieren, jedoch lassen sie die Vertreter trotzdem ohne Bedenken in gleicher Weise verwenden.

Die Schafgarbe verfügt über ein unterirdisches Rhizom. Es handelt sich hierbei um einen parallel zur Erdoberfläche verlaufenden Teil der Sprossachse, aus welchem ständig neue Pflänzchen samt Wurzel austreiben können. Während der obere Teil der Pflanzen am Ende einer Vegetationsperiode abstirbt, überdauert der unterirdische Bereich. Die Bestäubung erfolgt unspezifisch durch diverse Insekten wie Fliegen oder Bienen.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Die Schafgarbe verfügt über einen herb-aromatischen Geschmack – eine Komposition aus Bitterstoffen und ätherischem Öl. Folglich können die jungen Blätter gut als würzige Zugabe in Gemüsegerichten oder im Kräuterquark dienen, dominieren aber auch rasch durch ihren bitteren Geschmack. Die Schafgarbe gilt als eines der wichtigsten Heilkräuter der traditionellen europäischen Medizin und der pflanzenbasierten Frauenheilkunde.

***Achtung: Die Pflanze enthält geringe Mengen an Thujon – ein Inhaltsstoff, der auch in anderen Wildkräutern wie dem Wermut zu finden ist. In hohen Dosierungen kann er als Nervengift wirken und abortive Eigenschaften entfalten, jedoch wurden derlei Nebenwirkungen bei einer Einnahme von Schafgarbe nicht beschrieben.***

***Achtung: Bei empfindsamen Menschen kann bei Hautkontakt in Verbindung mit UV-Strahlung in wenigen Fällen ein Hautausschlag (Wiesendermatitis) auftreten. ***

Schafgarben – Tee

Für die innerliche Anwendung bei diversen  Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Völlegefühl und Sodbrennen oder bei Unterleibskrämpfen lässt sich leicht ein Tee aus dem getrockneten oder frischen Kraut zubereiten. Übergieße dazu einfach wenige Gramm des gesamten, feingeschnittenen Krautes mit ca. 150 ml heißem Wasser und lasse den Tee für 20 Minuten ziehen.

Für ein Sitzbad hingegen braucht es einen Aufguss mit ein bis zwei Liter warmen Wasser auf ungefähr 100 g des Krautes.

Schafgarben – EisTee

Praxistipp: Schafgarben – Eistee
Ein Eistee aus Schafgarbenkraut ist ein erfrischendes und leckeres Sommergetränk. Einfach einen Schafgarbentee aus den Blättern und Blüten der Schafgarbe aufbrühen und 15 Minuten bei geschlossenem Deckel ziehen lassen. Mit Holunderblütensirup oder einem anderen Süßungsmittel verfeinern, Eiswürfel hineingeben und genießen!

Heilwirkung von Schafgarbe

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Schafgarbe aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

HMPC: Trotz der unzureichenden Datenlage aus klinischen Studien stuft die HMPC diese Heilpflanze als „traditionelles pflanzliches Arzneimittel“ ein und bezeichnet ihre Wirkung als plausibel. Dieses Fazit beruht unter anderem auf Laborstudien, welche eine antibakterielle, entzündungshemmende und krampflösende Wirkung der Arznei unter kontrollierten Bedingungen zeigten.

ESCOP/ Kommission E: Beide betonen die innere Anwendung bei krampfbedingten Unterleibs- oder Magen-Darm-Beschwerden. Hierzu zählen Völlegefühl, Blähungen oder Menstruationsschmerzen. Bei Appetitlosigkeit kann die Pflanze auf Grund ihrer Bitterstoffe anregend wirken. Auch als Sitzbad wird Frauen eine Anwendung bei krampfartigen Schmerzen im Beckenraum empfohlen. Die ESCOP weist zudem auf die traditionelle Anwendung zur Behandlung kleiner, oberflächlicher Wunden hin.

Heilwirkung von Schafgarbe aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

In der Naturheilkunde zählt zum Einsatzspektrum der Schafgarbe auch die Behandlung von Leber- und Nierenleiden, Hämorrhoiden und diversen äußerlichen Geschwüren.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Die größte Gefahr geht hier von der Verwechslung mit diversen giftigen Doldenblütlern aus. In dieser Pflanzengruppe befinden sich zahlreiche Unheilbringer, wie der Riesenbärenklau oder der Gefleckte Schierling, dessen Kraut bereits in geringsten Mengen tödlich sein kann. Doch wer sich einmal gemerkt hat, weshalb es sich bei der harmlosen Schafgarbe nicht um einen Doldenblütler handeln kann, ist auf der sicheren Seite.

Doldenblütler (Apiaceae)

Auf den ersten Blick wird die Schafgarbe gerne für einen Doldenblütler (Apiaceae) gehalten. Zwar verfügen auch Vertreter dieser Pflanzenfamilie häufig über weiße,dichtstehende Blüten, doch entdeckt man bei genauerer Betrachtung der Schafgarbe zwei wichtige Details:Zum einen besteht jede der vermeintlichen „Blüten“ in Wahrheit aus vielen Einzelblüten, die zusammen einen Blütenkorb bilden. Zu anderen handelt es sich bei der Anordnung dieser Blütenkörbe keinesfalls um eine Dolde, da nicht alle Verzweigungen aus einem Punkt entspringen. Diese Unterscheidung ist wichtig, da Doldenblütler für Einsteiger*innen tabu sind: aufgrund hoher Verwechslungsgefahr mit giftigen Arten innerhalb dieser Familie.

 

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Graukresse (Berteroa incana)

Gelegentlich wird die Schafgarbe von Anfängern auch mit der Graukresse (einem Kreuzblütler) vertauscht. Hier stellen die Fiederblätter ein sicheres Unterscheidungsmerkmal dar, obgleich eine Verwechslung herzlich undramatisch wäre – vielleicht sogar ein kulinarischer Gewinn.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale der Schafgarbe zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Schafgarbe , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Schafgarbe zu Sammeln?

Der Stickstoffanzeiger bevorzugt nährstoffreiche, eher wasserarme Böden mit vergleichsweise hoher Sonnenexposition. Das Vorkommen der Pflanze erstreckt sich somit von Fettwiesen, über Weiden bis hin zu Halbtrockenrasen oder Wegrändern. Angesichts der bis zu 90 cm tiefreichenden Wurzeln und langen Ausläufer, leistet sie zudem einen Beitrag zur Bodenfestigung des Standorts. Schafgarbe blüht von Juni bis in den Oktober hinein. Möchte man sie aufgrund der ätherischen Öle sammeln, sollte man sie während der Blütezeit sammeln. Die Blätter schmecken auch außerhalb der Blütezeit.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Schafgarbe? Was haben unsere Vorfahren mit Schafgarbe verbunden, welche Mythen ranken sich um sie? Was gibt es sonst noch interessantes über Schafgarbe zu berichten?

Bereits in der griechischen Mythologie findet die Schafgarbe Erwähnung. Der große Held Achilles nutzte das Kraut zur Heilung einer Wunde, die er dem mysischen König Thelephos zusetzte, nachdem er auf der Suche nach Troja in dessen Gebiet einzog. In der Heilkunde unterwiesen wurde Achilles der Erzählung zufolge übrigens durch den Zentauren Chiron, welcher ihn großzog und in diversen Disziplinen unterrichtete. Mitte des 18. Jahrhunderts definierte der bekannte Naturforscher Carl von Linné die Gattung der Schafgarben und benannte sie in Anlehnung an diese Sage als Achillea.

Der Trivialname „Schafgarbe“ bezieht sich vermutlich auf ihr häufiges Auftreten auf Viehweiden, wo die zarten Blätter insbesondere von Schafen mit großer Vorliebe verzehrt werden. Es ist denkbar, dass sich auch die Schafe intuitiv ihre verdauungsfördernde Wirkung zu Nutze machen. Der Wortbestandteil „Garbe“ entstammt dem altdeutschen Begriff „garwa“, dessen Bedeutung etymologisch zwar nicht eindeutig belegt ist, welcher aber in diesem Zusammenhang im Sinne von „bereitstehend“ gedeutet wird. Somit ist die Schafgarbe ein auf Schafweiden zur (Wund)Heilung bereitstehendes Kraut.

Früher war die Schafgarbe unter dem deutschen Begriff Soldatenkraut bekannt und wurde in erster Linie von Soldaten und Kriegern zur Behandlung von Wunden und Verletzungen eingesetzt. Schnell erhielt die Pflanze auch Einzug in die Küche, wo sie als traditioneller Bestandteil der Gründonnerstagssuppe verwendet wurde. Rund um die Schafgarbe ranken sich viele Geschichten und Bräuche. In Teilen Frankreichs wird das Kraut teilweise als „en rêve“ bezeichnet, da es Kindern früher vor dem Zubettgehen auf die Augen gelegt wurde, um schöne Träume herbeizuführen. Auf Grund seines intensiven Geruchs soll das Kraut sogar zum Schutz gegen die Pest in Fenster und Türen gehangen worden sein.

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Bochsch, Manfred. Das praktische Buch der Heilpflanzen. BLV Buchverlag GmbH & Co.KG, 2016.

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Riffel, Angelika. Heilpflanzen der Traditionellen Europäischen Medizin. Wirkung und Anwendung nach häufigen Indikationen. Springer-Verlag GmbH Deutschland, 2017.

Söhns, Franz. Unsere Pflanzen . Teubner, 1912.

https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/millefolii-herba (Zuletzt aufgerufen 2.Oktober 20:45)

https://arzneipflanzenlexikon.info/index.php?de_pflanzen=89 (Zuletzt aufgerufen 2. Oktober 21:57)

https://www.duden.de/rechtschreibung/Schafgarbe (zuletzt aufgerufen am 3. Oktober 16:46)