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Sauerampfer

Unsere heimische Zitrone

Wenn sauer wirklich lustig macht, wirst du dich im folgenden Artikel krümmen vor Lachen. Hier erzählen wir dir nämlich interessante und spannende Geschichten über den Sauerampfer. Du erfährst, warum man ihn nicht täglich in großen Mengen in den Smoothie werfen sollte, Welche giftigen Verwechslungspartnerinnen er hat und warum Kinder früher Läuse von ihm bekamen.

Kapitel 1: Merkmale

Die grünlich-rötlichen Blüten sind sehr klein und kugelig, sie wirken wie aufgereiht und sind überhaupt eher unauffällig. Sie stehen in einem rispigen Blütenstand, an den Enden des im oberen Bereich verzweigten Stängels. Später werden rötliche, plättchenartige Samen gebildet.

Der Wiesensauerampfer wird bis zu einem Meter hoch, der kleine selten mehr als 30cm, der Stängel, wie auch der Rest der Pflanze sind mehr oder weniger unbehaart.

Die Laubblätter haben am Blattgrund, als dort, wo der Blattstiel ansetzt, abstehende Zipfel. Beim  kleinen stehen diese fast senkrecht ab, man nennt diese Form spießförmig (Spieße waren mittelalterliche Lanzen mit einem Querstück unterhalb der Spitze). Beim Wiesen-Sauerampfer sind die Blattzipfel nach unten geneigt und das Blatt wirkt Pfeilförmig.

Kapitel 2: Botanisches

Bei uns kommen Sieben Arten vor, der wir im deutschen als Sauerampfer bezeichnen. Die häufigsten Arten sind der Wiesen – Sauerampfer (Rumex acetosa) und der kleine Sauerampfer (Rumex acetosella) . Die Gattung Rumex ist sehr groß und eine große Anzahl anderer Ampferarten zählen dazu. Die Gattung Rumex wiederum gehört wie der Rhabarber zur Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceaen).

Sauerampfer ist ausdauernd, das bedeutet, dass er mehrmals in seinem Leben blühen und Früchte bilden kann. Als Geophyt bzw. Hemikryptophyt sterben für uns sichtbare Teile wie der Stängel Ende des Jahres ab, nur Pflanzenteile unter und dicht über der Erde überleben den Winter und können im Frühling neu austreiben. Hierbei helfen die ausgeprägten Rhizome (unterirdische, waagerecht verlaufende „Stängel“) beim Überwintern.

Sauerampfer wird über den Wind bestäubt. Die Blüten sind für keine Insekten interessant , wohl aber die Blätter, welche von einigen Käferarten regelrecht durchlöchert werden.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Sauerampfer ist sauer, wer hätte das gedacht! Doch welcher Stoff ist für den säuerlichen Geschmack verantwortlich? Die sogenannte Oxalsäure kommt bei Knöterichgewächse und den Fuchsschwanzgewächsen , aber auch in anderen Familien relativ häufig vor. Sie verleiht den Pflanzen eine kulinarisch sehr interessante Säure, hat jedoch auch ihre Tücken, weshalb wir ihr einen ganz eigenen Artikel gewidmet haben.

Soviel wollen wir hier aber schon verraten: Oxalsäure bindet einige Metalle, unter anderem Kalzium und Eisen . Das wiederum kann auf die Nieren gehen und indirekt Nierensteine, genauer gesagt Oxalatsteine begünstigen. Ein gesunder, junger Mensch kann mehrmals die Woche moderate Mengen an Oxalsäure vertragen, ältere Menschen, und Personen mit Nierenleiden jedoch sollten auf sie verzichten. Tägliche Smoothies mit Sauerampfer sind auch bei jungen Menschen nicht zu empfehlen. Nimmt man gleichzeitig kalziumreiche Lebensmittel zu sich (Milchprodukte, Sesam), fungiert das Kalzium hier als „Kanonenfutter“ und dem Körper wird nur sehr wenig Kalzium entzogen. Das ist übrigens auch der Grund, warum man nicht monatelang Rhabarber essen sollte. Und auch, warum man Sahne auf den Rhabarberkuchen gibt (nein nein, das hat natürlich nichts mit dem leckeren Fett und Zucker zu tun). Daneben ist Sauerampfer ziemlich reich an Vitamin C und enthält Gerbstoffe.

Sauerampfer in der Küche

Die frischgrüne Säure des Sauerampfers lässt sich hervorragend in der Küche einsetzen. Er eignet sich besonders als gesunde Erfrischung nach der grauen Winterzeit, aber auch im Sommer lässt er sich prima bei herzhaften  Gerichten wie Frankfurter Grüne Soße, im Wildkräutersalat oder Desserts wie Beeren mit Vanilleeis und Sauerampfersoße verwenden. Auch kann man ihn ab und zu im Smoothie verwenden, nur sollte man dies nicht über lange Zeiträume tun (siehe Artikel Smoothie oder Oxalsäure). Sauerampfer wird beim erhitzen etwas schleimig. Bei Kleingeschnittenen Blättern mag das kaum auffallen, möchte man jedoch ganz Blätter verwenden, sollte man sich auf ein etwas schleimiges Mundgefühl einstellen.

Hier findest du Rezepte mit Sauerampfer:

Heilwirkung von Sauerampfer

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Sauerampfer aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Leider wurden die Rumex-Arten noch nicht von der Kommission E , der HMPC oder der ESCOP bewertet. Es wird Zeit!

Heilwirkung von Sauerampfer aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

In der Volksmedizin ist die Liste sehr lang, wir kürzen daher etwas ab: Man nutzte und nutzt den Sauerampfer bei Hauterkrankungen, Verstopfungen, Blutarmut, gegen Würmer und Müdigkeit, gegen Pickel und Furunkel. Zudem soll er appetitanregend und menstruationsregulierend wirken.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Die echte Nelkenwurz kann man als Einsteiger mit zwei giftigen Artengruppen verwechseln, weshalb man bei der Bestimmung Vorsicht walten lassen sollte. Wer die Merkmale jedoch einmal gesehen hat, wird keine Probleme mehr haben, sie sicher zu erkennen.

***Hinweis: Sauerampfer enthält nicht geringe Mengen an Oxalsäure. Für gesunde Menschen in Maßen unbedenklich, sollten ältere Menschen und Menschen mit Nierenproblemen auf den Genuss oxalsäurehaltiger Speisen verzichten***

Andere Ampfer-Arten

Einsteiger verwechseln Ampferarten wie krauser Ampfer oder stumpfblättigen Ampfer manchmal mit den Sauerampfer-Arten. Das ist nicht dramatisch, da diese ebenfalls sehr Vitamin C – reich und essbar sind. Sie schmecken jedoch mäßig bis scheußlich, weshalb man vielleicht doch besser den richtigen sammeln sollte. Das prominenteste Merkmal der Sauerampferarten sind die spitzen Blattzipfel an der Blattgrund (dort, wo der Blattstiel am Blatt sitzt). Bei den anderen Ampferarten gibt es auch in gewisser Weise Zipfel, nur sind diese rund und wirken wie Buchten. Zudem sind die Blätter der anderen Ampferarten meist viel dunkelgrüner, teils bräunlich, derb-lederartig und zumeist viel größer.

Winden – Arten (Calystegia sp.)

Die Windenarten sind leicht giftig und während der Blüte kann man sie nicht mit Sauerampfer verwechseln: hat letzterer winzige, rötliche Blüten, bilden die Winden sehr große, wunderschöne Trichterförmige Blüten, die weiß bis rosa daherkommen. Vor der Blüte jedoch, vor allem im Frühling besteht die Gefahr sich zu vergreifen, vor allem weil die Laubblätter sich verflucht ähnlich sehen können. Hierbei hilf es, sich folgenden Fakt zu vergegenwärtigen: Winden winden sich. Sie selbst bilden nie einen aufrechten Stängel, sondern suchen sich andere Pflanzen, um sich daran hoch zuziehen, besser gesagt, sich um sie herum nach oben zu wickeln. Im Frühling , aber auch später findet man sie über die Wiese „kriechen“, auf der Suche nach einem Statik-Opfer. Von diesem niederliegenden, kriechenden Stängel aus geht dann immer ein Blattpaar aus. Im Frühling hat der Sauerampfer auch noch keinen Stängel, sondern die Laubblätter kommen zu mehreren aus einem Punkt aus dem Boden, doch er bildet nie einen kriechenden Stängel, sodass man diese, wenn man darauf achtet, eigentlich nicht verwechseln kann. Doch Obacht! Besonders fies wird es später, wenn sich die giftigen Winden um den Sauerampfer wickeln, hier kann man sich leicht vergreifen und beide einsammeln. Daher ist es wichtig, die Pflanzen, die man sammeln möchte, genau anzuschauen. Keine Pflanzen sammeln, um die sich andere Arten drum herum wickeln, oder aber diese zumindest vorher entfernen.

Aronstab (Arum sp.)

Die ziemlich giftigen, aber eher im Halbschatten der Wälder wachsenden Aronstabarten können auf den ersten Blick mit Sauerampfer verwechselt werden, da die Blattform recht ähnlich ist. Die um einiges größeren Blätter des Aronstabes kommen gerollt aus dem Boden, was der Sauerampfer nicht tut. Außerdem sind bei ersterem die Rippen auf der Blattunterseite viel stärker ausgeprägt und beim Zerteilen zieht er Fäden. Zu guter Letzt sind die „Zipfel“ am Blattgrund beim Sauerampfer in der Regel viel spitzer als beim Aronstab.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale des Sauerampfers zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Sauerampfer , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Sauerampfer zu Sammeln?

wildkräuter am straßenrand

Die Sauerampferarten vertragen Sonne ziemlich gut und kommen oft auf Wiesen vor. Der kleine Sauerampfer verträgt trockene Böden noch besser und kommt zum Teil auch in Heiden und auf Sandflächen vor. Sammeln kann man ihn bereit im April und bis in den November hinein. Übrigens muss man sich nicht auf den Frühling beschränken: im Herbst ist er noch immer lecker und reich an Vitamin C.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Sauerampfer? Was haben unsere Vorfahren mit Sauerampfer verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über Sauerampfer zu berichten?

Über den Sauerampfer lässt sich viel lustiges Berichten. Landwirt*innen werden mir nicht zustimmen, für diese ist es Teufelszeug – ist es doch schwer ihn los zu werden. Die Samen bleiben viele Jahre keimfähig , und das sogar in der Gülle!

Früher erzählte man den Kindern, dass man Läuse bekommt, wenn man zu viel Sauerampfer nascht. Ich konnte nicht herausfinden, ob das an den läuseähnlichen Samen liegt und man daraus schloss oder der Tatsache, dass man von der schädlichen Überdosierung wusste und die Kinder so vor Nierenleiden schützen wollte. Im bekannten Sinupret wird und wurde unter anderem Sauerampferextrakt verwendet.

Warum er „Sauer“ im Namen trägt, ist klar. Und woher kommt der Name Ampfer? Dieser kommt eventuell vom germanischen „amper“, was in etwas „scharf“ bedeutet. Auch das lateinischen amarus „bitter“ ist nicht sehr treffend. Treffsicherer kommt da doch das altenglische ampre „der Saure“ her.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Sauerhoff, Friedhelm: Etxmologisches Wörterbuch der Pflanzennamen.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh Stuttgart, 2003.

Söhns, Franz: Unsere Pflanzen . Teubner, 1912.