Giersch Smoothie

Wildkräuter Smoothies - Nutzen & Gefahren

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Giersch Smoothie
Gesundheit

Wildkräuter Smoothies - Nutzen & Gefahren

Smoothies stellen eine einfache und schnelle Möglichkeit dar, sich ausgewogen und ausreichend mit wertvollen Pflanzenstoffen zu versorgen. Wegen ihrer vielfältigen Inhaltsstoffe sind Wildkräuter eine tolle Bereicherung und sorgen für Abwechslung im Smoothie. In diesem Beitrag erfahrt ihr, warum Smoothies aus Wildkräutern so gesund sind, aber auch worauf ihr achten solltet , damit es dabei bleibt.

Was machen Wildkräuter Smoothies so interessant für unsere Ernährung?

Wildkräuter sind nicht per se gesünder als unsere Kulturpflanzen. Dennoch wurden Nutzpflanzen von unseren Vorfahren über Jahrtausende hinweg vor allem nach Größe, Ertrag und Nachbaufähigkeit selektiert und nicht nach ihren Inhaltsstoffen. Auch in der modernen Züchtung stehen diese Eigenschaften meist im Vordergrund. Wildkräuter weisen oft einen hohen Gehalt an Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen auf, die in unserem heutigen gezüchteten Obst und Gemüse nicht mehr so mannigfaltig vorhanden sind.

Diese werden von unserem Körper in nicht so großen Mengen benötigt wie die Makronährstoffe (Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate) sind aber oft essenziell, da sie vom Körper größtenteils nicht selbst hergestellt werden können. Als Mikronährstoffe werden die Vitamine und Mineralstoffe bezeichnet. Diese leisten einen wichtigen Beitrag für Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Reizweiterleitung, den Zellaufbau und vieles mehr.

So enthalten die Hagebutten der Hundsrose nicht nur sehr viel Vitamin C sondern sind auch noch reich an Ballaststoffen und Magnesium. Der Weiße Gänsefuß oder das Hirtentäschelkraut liefern viel Kalium und sind ebenfalls reich an Vitamin C. Viele Wildkräuter enthalten Bitterstoffe, die auf unserem heutigen Speiseplan meist fehlen und Verdauung und Stoffwechsel positiv beeinflussen können. Zudem können die Bitter-, Scharf- und Aromastoffe, die in manchen Wildkräutern enthalten sind, eine geschmackliche Abwechslung bieten und den Smoothie abrunden.

5 Regeln für die Verwendung von Wildkräutern im Smoothie

Da ihr mit einem Smoothie mehrere  hundert Gramm an Pflanzen in hoch konzentriertet Form aufnehmen könnt, solltet ihr ein paar Dinge beachten und im Hinterkopf behalten:

1. Mit Bitterstoffen nicht übertreiben

Gerade weil viele Wildkräuter Bitterstoffe enthalten, kann das gerade bei Einsteiger*innen zu einem zu bitteren Geschmack des Smoothies führen. Tastet euch langsam ran! Zwar sind Bitterstoffe in Maßen sehr gesund, doch in einer zu hohen Konzentration können sie schädlich sein. Auch sind sie nicht für alle Personengruppen geeignet: Gerade Menschen mit Gallensteinen, Nieren- oder Leberleiden sollten hier vorsichtig sein. Hier geht es zu unserem Artikel über Bitterstoffe.

2. Sammelort weise Wählen

Wegen der hohen Potenzierung der Inhaltsstoffe solltet ihr gut darauf achten, wo ihr die Wildkräuter sammelt. Viele Kräuter lagern verstärkt Schwermetalle und andere Stoffe von belasteten Böden ein, welche ihr euch dann im Zweifelsfall direkt zuführt. Achtet also gut darauf, dass ihr nicht in der Nähe von stark befahrenen Straßen, konventionell bewirtschafteten Ackerflächen, auf früheren Industrie- oder sonstig belasteten Flächen sammelt. Diesem Thema haben wir eine eigene Artikelreihe gewidmet, schau hier mal vorbei.

3. Weitere Inhaltsstoffe

Viele Wildkräuter, die gleichzeitig auch als Heilpflanzen eingestuft werden, werden wegen ihrer Inhaltsstoffe als Arznei genutzt. Oft werden sie nur für eine gewisse Dauer zur Therapie regelmäßig eingesetzt, danach ist eine Pause nötig. Dies gilt auch für Pflanzen, die Stoffe wie Cumarin (Steinklee oder Waldmeister), Thujon (Beifuß, Schafgarbe, Wermut), Erucasäure (Wilde Rauke, Acker Senf) oder Oxalsäure (Sauerampfer, Gänsefuß, Melde oder Sauerklee) enthalten. Hier solltet ihr nicht zu große Mengen an Wildkräutern in eurem Smoothie verwenden und vor allem nicht täglich. Denn diese Stoffe können bei hoher Konzentration und alltäglichem Gebrauch für euren Körper schädlich sein.

4. Pyrrolizidinalkaloide

Eine besonderes Risiko stellen Pflanzen dar, die Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthalten. Diese stehen im dringenden Verdacht, auf lange Sicht die Leber zu schädigen und sogar die Bildung von Tumoren zu fördern. Eine zu hohe Konzentration auf einmal kann unter Umständen auch direkt gefährlich werden. Die PAs finden sich in Pflanzen wie Huflattich, Borretsch, Beinwell, Vergissmeinnicht und den Greiskräutern.

5. Die wichtigste Regel von allen

Und natürlich solltet ihr beim Sammeln der Wildkräuter immer 100%ig sicher sein um welche Pflanze es sich handelt, damit keine giftiger Doppelgänger im Wildkräuter Smoothie landet!

Wildkräuter, die man häufig verwenden kann

Daneben gibt es einige Wildkräuter, die ihr regelmäßig und in großen Mengen konsumieren könnt. Dazu zählen die Vogelmiere, der Giersch und die Brennnessel. Gerade ein Giersch Smoothie ist super lecker und die Zutaten fast überall zu finden. Also seit kreativ und variiert eure Smoothies mit verschiedenen Zutaten und Wildkräutern und ernährt euch nicht zu einseitig, indem ihr jeden Tag dieselben Kräuter in den Smoothie schmeißt. So bringt ihr Abwechslung in eure Ernährung und könnt euch leicht mit vielen verschieden Nährstoffen versorgen.

Rezept - Birne Giersch Smoothie
Giersch Smoothie

Zutaten für 2 Giersch Smoothie

    • 1 Birne
    • 1 Handvoll Giersch
    • Kleines Stück Ingwer
    • 100 ml Saft
    • 20 ml Zitronensaft
    • Agaven-Dicksaft nach Bedarf
    • Kleine Rote Bete
    • 1 alte Banane
    • Wasser nach Bedarf

Zubereitung Giersch Smoothie :

  1. Zuerst die groben und festen Zutaten mit etwas Saft und Wasser durchmixen.
  2. Nun kann man die restlichen Zutaten hinzufügen, wobei man mit dem Süßungsmittel und auch den Wildkräutern zu Beginn etwas sparsamer sein sollte. Nachher kann man immer noch etwas hinzufügen.
  3. Um wirklich alle Zellen aufzuschließen und die wertvollen Inhaltsstoffe freizusetzen, sollte man einen Mixer mit mehr als 20.000 Umdrehungen die Minute verwenden

Bon appetit!

Andere Beiträge , passend zu Giersch Smoothie

Quellen

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Lüder, Rita. Grundkurs Pflanzenbestimmung. Eine Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene. Quelle und Mayer Verlag Wiebelshaim, 2020.


Gerbstoffe

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Gerbstoffe

Den Pelz auf der Zunge

Gerbstoffe sind in einigen Wildkräutern, Sträuchern und Bäumen enthalten und sind aufgrund ihrer zusammenziehenden Wirkung bei Halsschmerzen, Durchfall und Entzündungen wirksam. Welche heimischen Pflanzen sich besonders eignen und die Menschen vor unserer Zeit diese sonst noch zu nutzen wussten, erfahrt in im folgenden Artikel.

Was sind Gerbstoffe?

Pflanzliche Gerbstoffe, auch als Tannine bekannt, sind ein wichtiger Wirkstoff der Phytotherapie. Sie verbinden sich mit Eiweißen der Schleimhäute und überführen sie so in eine wasserunlösliche Form. Es bildet sich eine schützende Schicht ausgefällter Proteine, welche die Schleimhäute stärkt und das Eindringen von Keimen verhindert. Schon lange machen wir Menschen Gebrauch von den wertvollen Eigenschaften dieser sekundären Pflanzenstoffe. Bereits die Germanen nutzten die Rinde und Früchte der Eichen in der Lederherstellung, da diese über hohe Mengen an Gerbstoffen verfügen. Im Gerbungsprozess entsteht Leder durch die Behandlung von Tierhäuten mit Gerbstoffen. Dies stabilisieren das Leder und verhindern Fäulnisprozesse.

Wie wirken Gerbstoffe?

Der zusammenziehende (adstringierende) Effekt geht mit einer antimikrobiellen, antiviralen und sogar entzündungshemmenden Wirkung einher. Insbesondere gegen Halsschmerzen sind Wildkräuter mit hohem Gerbstoffgehalt eine effektive Waffe.  Auch der Pflanze selbst dienen die Gerbstoffe als Schutz gegen Krankheitserreger und Fressfeinde. Tannine sind uns auch aus dem Rotwein bekannt, wo sie einen pelzig-raues Gefühl im Mund hinterlassen, indem sie mit den Proteinen unseres Speichels reagieren und diese gemeinsam ausflocken.

Eine wirkungsvolle Waffe gegen Halsschmerzen: Die Wurzel der echten Nelkenwurz (Geum urbanum)

Welche Wildkräuter haben viele Gerbstoffe?

Viele Wildkräuter sind Gerbstoffreich. Einige Arten sind noch gerbstoffreicher als andere, weshalb wir hier eine List mit Wildkräutern und anderen Pflanzen mit viel Gerbstoffen erstellt haben:

 

Wildkräuter

  • Sauerampfer
  • Andere Ampfer – Arten
  • Echte Nelkenwurz

Andere Pflanzengruppen

  • Eichenrinde & Eicheln
  • Heidelbeeren
  • Brombeerblätter
  • Himbeerblätter

Gerbstoffreiche Wildkräuter in der Hausapotheke

Zum Gurgeln kann die Wurzel der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum) verwendet werden. Hierzu wird die Wurzel kleingeschnitten und mit etwas Wasser so lange aufgekocht, bis ein rot-brauner Sud entsteht. Auch bei Magen- und Darmentzündungen können andere gerbstoffhaltige Wildpflanzen wirksam sein. Jedoch eignet sich nicht jede dieser Pflanzen auch für eine innerliche Anwendung, da Gerbstoffe in hohen Konzentrationen die Verdauungsorgane wiederum reizen und die Aufnahme wichtiger Nährstoffe erschweren – so auch bei der Nelkenwurz. Deshalb sollte man diese nur zum Gurgeln verwenden. Eine andere Wildpflanze jedoch kann auch zu einem trinkbaren und gerbstoffhaltigen Tee zubereitet werden: Brombeeren, oder besser gesagt die Blätter dieses wehrhaften Gewächses.

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Folgende Artikel , Produkte und Kurse können wir dir zu diesem Thema ans Herz legen:

Quellen:

Fleischenhauer et. al.. Essbare Wildpflanzen. AT Verlag, 2007.

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Wagner, H.. Arzneidrogen und ihre Inhaltsstoffe WVG, Stuttgart 1999.

https://www.altmeyers.org/de/naturheilkunde/gerbstoffdrogen-23124


Wildkräutersalat mit Sauerampfer-Holunderblüten-Vinaigrette

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Wildkräutersalat
Wildkräutersalat

Wildkräutersalat mit Sauerampfer-Holunderblüten-Vinaigrette

Gesund und wild

Wildkräutersalat kann mit vielen verschiedenen Kräutern und in den unterschiedlichsten Variationen kombiniert werden. Wir zeigen heute eine Variante mit folgenden drei Wildkräutern, da diese leicht zu erkennen sind und nicht so viele Verwechslungspartner haben: Löwenzahn, wilder Rucola und Sauerampfer.

Die Pflanzen: Sauerampfer, Löwenzahn und wilde Rauke

In dieser Salatkreation verwenden wir drei WIldkräuter. Du kannst natürlich auch andere Arten verwenden und nach Herzenslust kombinieren.

Sauerampfer ist ein Oxalsäure- und Vitamin C – reiches Knöterichgewächs, das häufig auf Wiesen zu finden ist. Vielleicht kennst du den säuerlich-frischen Geschmack, welcher an Zitrone erinnert, sogar schon. Neben Vitamin C, Flavonoide und Protein enthält der Sauerampfer Oxalsäure. Dieser Inhaltsstoff wird in Verbindung mit der Entstehung von Nierensteinen gebracht, weshalb du bei einer Vorbelastung auf den Verzehr verzichten solltest. Auch bei schwangeren Personen und Kleinkindern sollte der Sauerampfer besser weggelassen oder durch ein anderes Wildkraut ersetzt werden. Auch für alle anderen gilt, dass Sauerampfer nur in Maßen genossen werden sollte, bei größeren Mengen am besten in Kombination mit kalziumreichen Lebensmitteln wie beispielsweise Milchprodukte oder auch Sesam. Sauerampfer-Blätter können außerdem mit den ähnlich pfeilförmig aussehenden Blättern der Winde verwechselt werden. Diese giftige Pflanze wickelt und windet sich gerne mal um andere Pflanzen. Hier ist also beim Pflücken Vorsicht gefragt. Damit du sicher bist, dass du das richtige Wildkraut erwischt hast, schau dir weiter unten den Link zum Artprofil an.

Löwenzahn gehört wie Kamille und Sonnenblume zu den Korbblütengewächsen. Er ist relativ Bitterstoffreich und wirkt etwas harntreibend, weshalb er im französischen auch „pissenlit“, zu deutsch „in Bett pisser“ genannt wird. Daneben enthält er auch nicht wenig Vitamin C.

Wilde Rauke hat viele Namen, der sehr botanisch-beschreibende lautet „schmalblättriger Doppelsame“. Du kannst sie auch einfach „wilden Rucola“ nennen, denn sie ist tatsächlich eine der beiden Arten, die gemeinhin und in vielen Zuchtformen als Rucola verkauft werden. Dieses Kreuzblütengewächs ist mit Raps und Senf verwandt.

Geschmack und Inhaltsstoffe des Wildkräutersalats

Der herb-bittere Geschmack kommt von den Bitterstoffen des Löwenzahns. Bei diesem Wildkraut können neben den Blättern auch die Blüten gegessen werden. Als Deko machen sich diese mit ihrem leuchtenden Gelb beispielsweise auf dem fertigen Wildkräutersalat sehr schön. Für den Salat empfehlen sich eher die jungen Blätter. Falls du ältere Blätter verwendest, bietet es sich an, diese feiner zu schneiden, da sie etwas bitterer schmecken. Ebenfalls können die Blätter für eine Stunde in Wasser eingelegt werden, damit die Bitterstoffe teilweise entzogen werden.

Der wilde Rucola schmeckt ähnlich wie der im Supermarkt erhältliche Rucola. Allerdings ist sein scharf-aromatischer Geschmack deutlich intensiver verglichen mit den im Handel verbreiteten Sorten. Für das Aroma sind unter anderem die Senfölglycoside verantwortlich. Ebenso enthält das Wildkraut Erucasäure, weshalb du es nicht andauernd in sehr großen Mengen konsumieren solltest.

Sauerampfer enthält Gerbstoffe und Oxalsäure und macht seinem Namen alle Ehre: er ist sauer, was wir vor allem in der Salatsoße gut einsetzen können. Daneben enthält er eine Menge Vitamin C, weshalb er optimal zur Erkältungsvorbeuge eingesetzt werden kann.

***Hinweis: Sauerampfer enthält nicht geringe Mengen an Oxalsäure. Für gesunde Menschen in Maßen unbedenklich, sollten ältere Menschen und Menschen mit Nierenproblemen auf den Genuss Oxalsäurehaltiger Speisen verzichten***

Rezept Wildkräutersalat

Die Wildkräuter werden in unserem Salat mit Kultursalat gemischt, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird. Je nach geschmacklicher Vorliebe kann das Verhältnis zwischen Salat und Wildkräutern natürlich angepasst werden. Wenn du noch nicht so viel Erfahrung mit der Wildkräuterküche hast, kannst du dich somit langsam an den Geschmack herantasten.

Wir finden die Kombination der drei hier verwendeten Wildkräuter aus herb-bitter, scharf und sauer sehr interessant und passend, da verschiedene starke Aromen zusammengeführt werden und so ein rundes Gesamtbild ergeben.

Die Hauptkomponenten für den Wildsalat sind nun also bekannt. Für die Vinaigrette verwenden wir neben Öl, Essig, Salz, Pfeffer und Holunderblütensirup ebenso etwas kleingeschnittenen Sauerampfer. Mit seinem zitronigen Geschmack ist er eine gute Ergänzung für die Salatsoße. Wer möchte, kann auch noch Senf dazugeben oder den Holundersirup mit etwas Fruchtmarmelade ersetzen.

Als Topping eignet sich für den Salat beispielsweise die oben erwähnten Blüten des Löwenzahns oder auch gerösteter Sesam. Sehr gut passen auch unsere Croutons mit Beifuß.

Und jetzt viel Spaß beim Nachmachen!

Zutaten (als Beilagensalat für 4 Personen):

  • 300 g Kultursalat (z.B. Feldsalat, Kopfsalat)
  • 2 Handvoll Wildkräuter (Löwenzahn, Sauerampfer, Wilder Rucola, Vogelmiere)
  • Öl, Essig,
  • Holunderblütensirup,
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

  1. Wasche und trockne den Salat und die Wildkräuter
  2. Lege ein paar Blätter Sauerampfer für die Vinaigrette beiseite und schneide die restlichen Wildkräuter in grobe Streifen
  3. Schneide den beiseitegelegten Sauerampfer in sehr feine Streifen
  4. Verrühre für die Vinaigrette Öl, Essig und Holunderblütensirup. Schmecke diese mit Salz, Pfeffer und Sauerampfer ab.
  5. Richte den Salat an und gib die Vinaigrette darüber. Serviere mit einem Topping deiner Wahl.

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Andere Beiträge mit Sauerampfer, wilder Rauke und Löwenzahn

Gänseblümchen-Suppe

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Gänseblümchen-Suppe
Gänseblümchen-Suppe

Rezept: Gänseblümchen - Suppe

Schön und lecker

Dieses Rezept dreht sich um eine der bekanntesten heimischen Wildpflanzen. Mit ihren gelb-weißen Farbakzenten schmückt sie den Rasen vieler Parks und Gärten. Das Gänseblümchen kennt fast jede Person und es ruft des Öfteren Erinnerungen an die Kindheit und mühsam geflochtene Blütenkränze hervor.  Die Pflanze ist wegen seiner Bekanntheit nicht nur relativ leicht zu erkennen, sondern auch oft zu finden. Beispielsweise in Wiesen und Weiden, aber auch an Wegrändern kann man es entdecken und pflücken. Meist wächst es sogar im eigenen Garten oder Hinterhof.

Die Pflanze: Gänseblümchen

Das Gänseblümchen gehört wie Kamille, Sonnenblume und der Beifuß zu den Korbblütlern (Asteraceae). Der wissenschaftliche Artname bedeutet wörtlich übersetzt: “die ausdauernd Schöne” und genau das ist sie: man findet sie das ganze Jahr über, zum Teil sogar unter der Schneedecke blühend. Man kann die gesamte Pflanze verwenden, Blüten , Blätter und Stiele. Gänseblümchen findet man häufig auf nährstoffreichen Wiesen und in Parks.

Geschmack und Inhaltsstoffe der Gänseblümchen - Suppe
Gänseblümchen-Suppe

Das Wildkraut landet beispielsweise in Salaten und Suppen, aber auch als Gemüsegericht oder in Kräuterdips findet es Verwendung. Die Blüten können ebenfalls gut als Deko eingesetzt werden.

Doch das Gänseblümchen sieht nicht nur gut aus und ist leicht zu finden. Es enthält neben Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Vitamin A und C auch ätherisches Öl. Durch die Bitter- und Gerbstoffe sowie den Saponingehalt hat es eine harntreibende Wirkung und regt den Stoffwechsel an.

Der Geschmack der Blätter ist frisch und erinnert etwas an Feldsalat. Die Blüten haben sogar ein leicht nussiges Aroma. Bei manchen Menschen können die Blätter des Gänseblümchens allerdings einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen. Da hilft nur eines – Ausprobieren. Um dich an der Verwendung von Gänseblümchen in der Küche auszutesten, eignet sich daher gut unsere leckere, wärmende und stärkende Suppe.

Als Topping passen dazu sehr gut unsere Beifuß-Croutons, deren Rezept du weiter unten findest.

Und jetzt viel Spaß beim Ausprobieren!

Rezept Gänseblümchen - Suppe

Zutaten :

  • 125 g Gänseblümchen (Blüten und Blätter)
  • 1 Zwiebel
  • 1 mehlige Kartoffel
  • 1 Liter Gemüsebrühe
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

  1. Öl in einem Topf erhitzen, Zwiebel würfeln und anbraten.
  2. Kartoffel fein reiben und mit den Zwiebeln zusammen weiter anbraten.
  3. Gänseblümchen gut waschen und in den Topf geben. Kurz mitdünsten lassen und dann mit der Brühe aufgießen. Einige Minuten köcheln lassen.
  4. Mit einem Pürierstab die Suppe fein pürieren.
  5. Mit Pfeffer und Salz (nicht zu viel, da die Brühe schon salzig ist) abschmecken. Mit Blüten dekorieren und servieren.
  6. Ein paar Blütenköpfe darüberstreuen

Bon apetit!

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Andere Beiträge mit Gänseblümchen

Gundermann

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Gundermann

Das unerwartete Würzkraut

Gundermann gehört zu den 10 „Standard-Kräutern der modernen Wildkräuterküche“, obwohl Einsteiger ihn im nichtblühenden Zustand regelmäßig mit anderen Arten verwechseln. In diesem Artprofil stellen wir diesen früher als magisch geltenden, herb-aromatischen Lippenblütler vor. Wir berichten wie er früher als Hexendetektor gedient hat, warum Nichtpferde ihn unbedingt mal in Form von schokolierten Dessertplättchen probierten sollten und was die Ameisen so toll an ihm finden.

Kapitel 1: Merkmale

Die blau bis violett gefärbten Röhrenblüten des Gundermanns haben bei genauem Hinsehen eine interessante, weißliche Zeichnung auf der „Unterlippe“.  Zu mehreren stehen sie ganz brav in einer Reihe an den Blattachseln, also an den Stellen, denen die Laubblätter am Stängel entspringen. Der Stängel ist vierkantig (quadratisch im Querschnitt) und kommt in zwei Ausprägungen daher. Zum einen gibt es die Blütentragenden Stängel, die mehr oder weniger aufrecht in der Landschaft herumstehen. Daneben gibt es aber noch kurz über der verlaufende Stängel, sogenannte Ausläufer. Diese „kriechen“ über den Boden, bilden zwischen durch hier und da mal Wurzeln und weitere, vertikale, blütentragende Stängel. Dadurch entsteht ein zum Teil meterlanger Megagundermann, der mehrere „Finger“ in die Höhe streckt, welche wir auf den ersten Blick als Einzelpflanzen wahrnehmen.

Die immer paarig gegenüberstehenden Laubblätter des Gundermanns stehen von oben betrachtet mit dem darunterliegenden Blattpaar im Kreuz („kreuzgegenständig“), die Paare sind also immer um 90° versetzt. Die Blätter haben eine rundliche bis herzförmige Form und sind am Rand gekerbt, bilden also viele kleine „Bubbel“.  Gundermann kann zwar mithilfe der erwähnten Ausläufer recht lang werden, wird aber nicht besonders hoch: selten höher als 20cm.

Kapitel 2: Botanisches

Wer sich die eigentümlichen, bunten Blüten anschaut, kommt schnell auf die Idee, dass eine gewisse Verwandtschaft zu mediterranen Kräutern wie Minze, Basilikum, Thymian oder Rosmarin bestehen könnte. Und tatsächlich: dies sind alles Mitglieder der großen Familie der sogenannten Lippenblütler, ebenso wie der Gundermann.

Gundermann ist „ausdauernd“, die oberhalb der Erde liegenden Pflanzenteile sterben also nicht ab. Ganz im Gegenteil, als „wintergrüner“ behält er sogar sein Blattgrün bei. Das jedoch nicht in voller Pracht, vielmehr sterben alle Teile, bis auf eine dicht gedrängte Blattrosette oder ein einzelnes Blattpärchen ab.

Gundermann wird oft von Wildbienen wie Hummeln und Pelzbienen besucht und geschätzt. Für diese stellt er eine sehr wichtige Nahrungsquelle dar, hat also beachtlichen ökologischen Wert. Die Samen wiederum  sind für Ameisen besonders attraktiv, welche die Samen gerne mit sich herumschleppen und zur Ausbreitung beitragen.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Gundermann enthält unter anderem Gerbstoffe, Bitterstoffe und ätherische Öle, welche ihm ein recht eigensinniges Aroma verleihen. Nicht jedem gefällt der aromatisch-herbe Geschmack, andere wiederum sehen in ihm eine kulinarische Neuentdeckung. Des weiteren enthält Gundermann im Blattgrün erwähnenswerte Mengen an Protein, Mangan, Zink und Vitamin C. Pferde vertragen den Gundermann übrigens aufgrund des Stoffes Glechomin überhaupt nicht, was bereits zu Todesfällen geführt hat, obwohl die Pferde es in der Regel unterlassen, ihn zu fressen.

Gundermann in der Küche

Schokolierte Gundermannblätter gehören fast schon zum „Klassiker“ der modernen Wildkräuterküche und das nicht ganz zu unrecht. Sie schmecken meist selbst denjenigen, die dem puren Gundermanngeschmack vorher nicht sehr angetan waren. Aufgrund der ätherischen Öle sollten keine Unmengen (wie etwa kiloweise im Smoothie) davon verzehrt werden. In Maßen jedoch, kann der Gundermann die Küche ganz schön bereichern, sowohl bei Herzhaften, als auch bei süßen Gerichten. Die leicht bitter-herbe Note, gepaart mit dem Hauch von Minze ist ein ungewohntes Geschmackserlebnis, dem man zumindest eine Chance geben sollte.

Folgende Rezepte mit Gunsermann können wir euch sehr ans Herz legen:

Heilwirkung von Gundermann

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Gundermann aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Es fehlen derzeit Studien zur Wirksamkeit von Gundermann bei Krankheiten. Es wird Zeit!

Heilwirkung von Gundermann aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

Gesicherte Belege für eine Verwendung des Gundermanns in der Antike gibt es keine, wohl jedoch für das Mittelalter. Hier wurde Sie als Wundkraut im Krieg und bei Verletzungen verwendet, wobei es zu abenteuerlichsten Verwendungsformen kam, die den verletzten Personen nicht immer zuträglich waren. Gerade die Verwendung des frischen Krauts in offenen Wunden führen sehr wahrscheinlich zu schweren Blutvergiftungen, da Pflanzen in der Regel mit Bakterienarten versehen sind, die man wirklich nicht in der Wunde haben möchte. Das wog auch ein gewisser Anteil an leicht antibiotischen Stoffen wie Gerbstoffe und ätherische Öle nicht auf. Auch von der Verwendung von abgekochten Pflanzenteilen in offenen Wunden ist abzuraten.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Gundermann wird während der Blüte nicht selten mit anderen, ebenfalls blau oder violett blühenden Lippenblütlern verwechselt. Auch wenn die oberste Regel „niemals Pflanzen essen, von denen man nicht hundertprozentig sicher ist, um welche es sich handelt“ quasi in den Hinterkopf gemeißelt werden muss, kann man bei dieser Familie schon etwas entwarnen: es gibt nur eine Handvoll Lippenblütler, die giftig sind, die allerallermeisten Arten sind ungiftig. Diese sehen, vor allem was die Laubblätter angeht, dem Gundermann nicht sehr ähnlich. Vor oder nach der Blüte wird der Gundermann regelmäßig mit anderen Arten aus verschiedenen Familien verwechselt, unter anderem mit dem mit Vorsicht zu genießenden Scharbockskraut. Absolute Einsteiger sollten den Gundermann deshalb nur während der Blüte verwenden, um ihn einwandfrei bestimmen zu können. Fortgeschrittene erkennen ihn an der eigensinnigen Blattform und dem typischen Blattrand, sowie an den Ausläufern.

Kriechender Günsel (Ajuga reptans)

Zu beginn kann man die Günsel Artenn vorallem aufgrund der ähnlichen Blütenfarbe und Erscheinung mit dem Gundermann verwechseln. Doch keine Angst, so wie die meisten Lippenblütler ist auch der Günsel ungiftig. Der Günsel ist viel stärker behaart und die oberen Blüten sitzen viel enger und stockwerkartig übereinander, beim Gundermann liegen sie weiter auseinander. Zudem ist der Blattrand beim Günsel nicht oder kaum gekerbt.

Andere blaue Lippenblütler

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Lippenblütler mit blauen Blüten. Bis auf die unten aufgeführte Poleiminze gibt es so gut wie keine giftigen heimischen Arten. Aber Achtung! In Gärten kann es durchaus giftige, nichtheimische Lippenblütler wie Aztekensalbei etc. geben. Daher nur bekannte Arten verwenden.

Polei – Minze (Mentha pulegium)

Die Poleiminze ist einer der wenigen Lippenblütler in Mitteleuropa, der giftig ist. Sie wird als wenig giftig bis giftig eingestuft.

Sie kann man aufgrund der runden, ungekerbte Blätter und den dichtgedrängten Blüten nicht mit dem Gundermann verwechseln. Mit anderen Minze – Arten hingegen schon.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale des Gundermanns zusammengefasst

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Gundermann , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Gundermann zu Sammeln?

Gundermann kommt meist im Halbschatten vor und bevorzugt feuchte Böden, weshalb man ihn häufig an Waldrändern, in Auwäldern, an Wegrändern nicht zu trockener Mischwälder und in Gebüschen findet. Er blüht vergleichsweise früh, und zwar ab März und ist was die Blütezeit angeht nicht sehr ausdauernd – selten findet man ihn im Juli blühend.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Gundermann? Was haben unsere Vorfahren mit dem Gundermann verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über den Gundermann zu berichten?

Wo kommt der Name Gundermann her? Dazu gibt es mehrere Theorien, wobei wir euch hier derer zwei vorstellen möchten. Die auch Gundelrebe oder Erdefeu (Bereits der zweite Namensteil, das  Artepiton „hederacea“ deutet auch hedera=Efeu hin) genannte kriechende Pflanze wurde im 9. Jahrhundert „grunderéba“ genannt, also eine Rebe, die am Grunde kriecht. Daraus wurde im 12. Jahrhundert gunderam, bis sie im 17. Jahrhundert schriftliche das erste mal den Namen „Gundermann“ erhielt. Theorie Nummer zwei stützt sich auf die vermutliche Anwendung als Wundkraut und geht daher davon aus, dass das althochdeutsche Wort „Gund“ (= Eiter) dabei mit im Spiel war.

Wie dem auch sei, bekannt war der Name vor allem in der DDR der 80er Jahre.  Ob die Vorfahren des bekanntesten Liedermachers der DDR mit diesem Lippenblütler etwas am Hut hatten, ist fraglich. tausend Jahre zuvor, Im Mittelalter, galt der Gundermann als magische Pflanze. So wurde er beim Milchzauber eingesetzt – richtig angewandt, konnte man mit dessen Hilfe widerspenstige Kühe zum Milchgeben animieren.

Interessanterweise hielten sich derartige (Aber)Glauben bis tief in die Neuzeit, so gibt es einen Bericht, der eine Verwendung dieses Milchzaubers noch Anfang des 20. Jahrhunderts belegt. Doch nicht nur gegen verhexte Milch sollte der Gundermann helfen, auch konnte man diese selbst mithilfe des Krautes erkennen. Johannes Praetorius gab in einem seiner Werke eine genaue Anleitung, wie man mithilfe eines geflochtenen Gundermannkranzes Hexen von Nichthexen unterscheiden konnte, ein vollumfänglicher Hexendetektor.

Des Weiteren war die Pflanze nicht nur Teil von Ritualen, auch war sie Teil der Gründonnerstagssuppe, auch fanden wir ein uraltes Rezept aus Pommern, bei dem Gundermann Rührei veredelt haben soll.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Aufseß, Freiherr v., Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters, 1832.

Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1967.

Marzell, Unsere Heilpflanzen, ihre Geschichte und ihre Stellung in der Volkskunde, 1938.

Zetlingensis, Praetorius, Satyrus etymologicus, 1672.


Sauerampfer

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Sauerampfer

Unsere heimische Zitrone

Wenn sauer wirklich lustig macht, wirst du dich im folgenden Artikel krümmen vor Lachen. Hier erzählen wir dir nämlich interessante und spannende Geschichten über den Sauerampfer. Du erfährst, warum man ihn nicht täglich in großen Mengen in den Smoothie werfen sollte, Welche giftigen Verwechslungspartnerinnen er hat und warum Kinder früher Läuse von ihm bekamen.

Kapitel 1: Merkmale

Die grünlich-rötlichen Blüten sind sehr klein und kugelig, sie wirken wie aufgereiht und sind überhaupt eher unauffällig. Sie stehen in einem rispigen Blütenstand, an den Enden des im oberen Bereich verzweigten Stängels. Später werden rötliche, plättchenartige Samen gebildet.

Der Wiesensauerampfer wird bis zu einem Meter hoch, der kleine selten mehr als 30cm, der Stängel, wie auch der Rest der Pflanze sind mehr oder weniger unbehaart.

Die Laubblätter haben am Blattgrund, als dort, wo der Blattstiel ansetzt, abstehende Zipfel. Beim  kleinen stehen diese fast senkrecht ab, man nennt diese Form spießförmig (Spieße waren mittelalterliche Lanzen mit einem Querstück unterhalb der Spitze). Beim Wiesen-Sauerampfer sind die Blattzipfel nach unten geneigt und das Blatt wirkt Pfeilförmig.

Kapitel 2: Botanisches

Bei uns kommen Sieben Arten vor, der wir im deutschen als Sauerampfer bezeichnen. Die häufigsten Arten sind der Wiesen – Sauerampfer (Rumex acetosa) und der kleine Sauerampfer (Rumex acetosella) . Die Gattung Rumex ist sehr groß und eine große Anzahl anderer Ampferarten zählen dazu. Die Gattung Rumex wiederum gehört wie der Rhabarber zur Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceaen).

Sauerampfer ist ausdauernd, das bedeutet, dass er mehrmals in seinem Leben blühen und Früchte bilden kann. Als Geophyt bzw. Hemikryptophyt sterben für uns sichtbare Teile wie der Stängel Ende des Jahres ab, nur Pflanzenteile unter und dicht über der Erde überleben den Winter und können im Frühling neu austreiben. Hierbei helfen die ausgeprägten Rhizome (unterirdische, waagerecht verlaufende „Stängel“) beim Überwintern.

Sauerampfer wird über den Wind bestäubt. Die Blüten sind für keine Insekten interessant , wohl aber die Blätter, welche von einigen Käferarten regelrecht durchlöchert werden.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Sauerampfer ist sauer, wer hätte das gedacht! Doch welcher Stoff ist für den säuerlichen Geschmack verantwortlich? Die sogenannte Oxalsäure kommt bei Knöterichgewächse und den Fuchsschwanzgewächsen , aber auch in anderen Familien relativ häufig vor. Sie verleiht den Pflanzen eine kulinarisch sehr interessante Säure, hat jedoch auch ihre Tücken, weshalb wir ihr einen ganz eigenen Artikel gewidmet haben.

Soviel wollen wir hier aber schon verraten: Oxalsäure bindet einige Metalle, unter anderem Kalzium und Eisen . Das wiederum kann auf die Nieren gehen und indirekt Nierensteine, genauer gesagt Oxalatsteine begünstigen. Ein gesunder, junger Mensch kann mehrmals die Woche moderate Mengen an Oxalsäure vertragen, ältere Menschen, und Personen mit Nierenleiden jedoch sollten auf sie verzichten. Tägliche Smoothies mit Sauerampfer sind auch bei jungen Menschen nicht zu empfehlen. Nimmt man gleichzeitig kalziumreiche Lebensmittel zu sich (Milchprodukte, Sesam), fungiert das Kalzium hier als „Kanonenfutter“ und dem Körper wird nur sehr wenig Kalzium entzogen. Das ist übrigens auch der Grund, warum man nicht monatelang Rhabarber essen sollte. Und auch, warum man Sahne auf den Rhabarberkuchen gibt (nein nein, das hat natürlich nichts mit dem leckeren Fett und Zucker zu tun). Daneben ist Sauerampfer ziemlich reich an Vitamin C und enthält Gerbstoffe.

Sauerampfer in der Küche

Die frischgrüne Säure des Sauerampfers lässt sich hervorragend in der Küche einsetzen. Er eignet sich besonders als gesunde Erfrischung nach der grauen Winterzeit, aber auch im Sommer lässt er sich prima bei herzhaften  Gerichten wie Frankfurter Grüne Soße, im Wildkräutersalat oder Desserts wie Beeren mit Vanilleeis und Sauerampfersoße verwenden. Auch kann man ihn ab und zu im Smoothie verwenden, nur sollte man dies nicht über lange Zeiträume tun (siehe Artikel Smoothie oder Oxalsäure). Sauerampfer wird beim erhitzen etwas schleimig. Bei Kleingeschnittenen Blättern mag das kaum auffallen, möchte man jedoch ganz Blätter verwenden, sollte man sich auf ein etwas schleimiges Mundgefühl einstellen.

Hier findest du Rezepte mit Sauerampfer:

Heilwirkung von Sauerampfer

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Sauerampfer aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Leider wurden die Rumex-Arten noch nicht von der Kommission E , der HMPC oder der ESCOP bewertet. Es wird Zeit!

Heilwirkung von Sauerampfer aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

In der Volksmedizin ist die Liste sehr lang, wir kürzen daher etwas ab: Man nutzte und nutzt den Sauerampfer bei Hauterkrankungen, Verstopfungen, Blutarmut, gegen Würmer und Müdigkeit, gegen Pickel und Furunkel. Zudem soll er appetitanregend und menstruationsregulierend wirken.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Die echte Nelkenwurz kann man als Einsteiger mit zwei giftigen Artengruppen verwechseln, weshalb man bei der Bestimmung Vorsicht walten lassen sollte. Wer die Merkmale jedoch einmal gesehen hat, wird keine Probleme mehr haben, sie sicher zu erkennen.

***Hinweis: Sauerampfer enthält nicht geringe Mengen an Oxalsäure. Für gesunde Menschen in Maßen unbedenklich, sollten ältere Menschen und Menschen mit Nierenproblemen auf den Genuss oxalsäurehaltiger Speisen verzichten***

Andere Ampfer-Arten

Einsteiger verwechseln Ampferarten wie krauser Ampfer oder stumpfblättigen Ampfer manchmal mit den Sauerampfer-Arten. Das ist nicht dramatisch, da diese ebenfalls sehr Vitamin C – reich und essbar sind. Sie schmecken jedoch mäßig bis scheußlich, weshalb man vielleicht doch besser den richtigen sammeln sollte. Das prominenteste Merkmal der Sauerampferarten sind die spitzen Blattzipfel an der Blattgrund (dort, wo der Blattstiel am Blatt sitzt). Bei den anderen Ampferarten gibt es auch in gewisser Weise Zipfel, nur sind diese rund und wirken wie Buchten. Zudem sind die Blätter der anderen Ampferarten meist viel dunkelgrüner, teils bräunlich, derb-lederartig und zumeist viel größer.

Winden – Arten (Calystegia sp.)

Die Windenarten sind leicht giftig und während der Blüte kann man sie nicht mit Sauerampfer verwechseln: hat letzterer winzige, rötliche Blüten, bilden die Winden sehr große, wunderschöne Trichterförmige Blüten, die weiß bis rosa daherkommen. Vor der Blüte jedoch, vor allem im Frühling besteht die Gefahr sich zu vergreifen, vor allem weil die Laubblätter sich verflucht ähnlich sehen können. Hierbei hilf es, sich folgenden Fakt zu vergegenwärtigen: Winden winden sich. Sie selbst bilden nie einen aufrechten Stängel, sondern suchen sich andere Pflanzen, um sich daran hoch zuziehen, besser gesagt, sich um sie herum nach oben zu wickeln. Im Frühling , aber auch später findet man sie über die Wiese „kriechen“, auf der Suche nach einem Statik-Opfer. Von diesem niederliegenden, kriechenden Stängel aus geht dann immer ein Blattpaar aus. Im Frühling hat der Sauerampfer auch noch keinen Stängel, sondern die Laubblätter kommen zu mehreren aus einem Punkt aus dem Boden, doch er bildet nie einen kriechenden Stängel, sodass man diese, wenn man darauf achtet, eigentlich nicht verwechseln kann. Doch Obacht! Besonders fies wird es später, wenn sich die giftigen Winden um den Sauerampfer wickeln, hier kann man sich leicht vergreifen und beide einsammeln. Daher ist es wichtig, die Pflanzen, die man sammeln möchte, genau anzuschauen. Keine Pflanzen sammeln, um die sich andere Arten drum herum wickeln, oder aber diese zumindest vorher entfernen.

Aronstab (Arum sp.)

Die ziemlich giftigen, aber eher im Halbschatten der Wälder wachsenden Aronstabarten können auf den ersten Blick mit Sauerampfer verwechselt werden, da die Blattform recht ähnlich ist. Die um einiges größeren Blätter des Aronstabes kommen gerollt aus dem Boden, was der Sauerampfer nicht tut. Außerdem sind bei ersterem die Rippen auf der Blattunterseite viel stärker ausgeprägt und beim Zerteilen zieht er Fäden. Zu guter Letzt sind die „Zipfel“ am Blattgrund beim Sauerampfer in der Regel viel spitzer als beim Aronstab.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale des Sauerampfers zusammengefasst.

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Sauerampfer , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Sauerampfer zu Sammeln?

wildkräuter am straßenrand

Die Sauerampferarten vertragen Sonne ziemlich gut und kommen oft auf Wiesen vor. Der kleine Sauerampfer verträgt trockene Böden noch besser und kommt zum Teil auch in Heiden und auf Sandflächen vor. Sammeln kann man ihn bereit im April und bis in den November hinein. Übrigens muss man sich nicht auf den Frühling beschränken: im Herbst ist er noch immer lecker und reich an Vitamin C.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Sauerampfer? Was haben unsere Vorfahren mit Sauerampfer verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über Sauerampfer zu berichten?

Über den Sauerampfer lässt sich viel lustiges Berichten. Landwirt*innen werden mir nicht zustimmen, für diese ist es Teufelszeug – ist es doch schwer ihn los zu werden. Die Samen bleiben viele Jahre keimfähig , und das sogar in der Gülle!

Früher erzählte man den Kindern, dass man Läuse bekommt, wenn man zu viel Sauerampfer nascht. Ich konnte nicht herausfinden, ob das an den läuseähnlichen Samen liegt und man daraus schloss oder der Tatsache, dass man von der schädlichen Überdosierung wusste und die Kinder so vor Nierenleiden schützen wollte. Im bekannten Sinupret wird und wurde unter anderem Sauerampferextrakt verwendet.

Warum er „Sauer“ im Namen trägt, ist klar. Und woher kommt der Name Ampfer? Dieser kommt eventuell vom germanischen „amper“, was in etwas „scharf“ bedeutet. Auch das lateinischen amarus „bitter“ ist nicht sehr treffend. Treffsicherer kommt da doch das altenglische ampre „der Saure“ her.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Sauerhoff, Friedhelm: Etxmologisches Wörterbuch der Pflanzennamen.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh Stuttgart, 2003.

Söhns, Franz: Unsere Pflanzen . Teubner, 1912.


Gefahren beim Wildkräuter Sammeln - Teil I: Autoabgase

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wildkräuter am straßenrand
wildkräuter am straßenrand
Gefahren beim Wildkräuter Sammeln

Teil I Autoabgase / Wildkräuter am Straßenrand

Deutschland ist Autoland. Vor allem in unseren Großstädten macht sich das leider oft durch schlechte Luftqualität bemerkbar. Doch welchen Einfluss hat das auf die Pflanzen, die in den Städten wachsen? Verschiedene Studien zeigen, dass die EU-Grenzwerte für Schwermetalle in Pflanzen in der Nähe von stark befahrenen Straßen regelmäßig überschritten werden. Wieviel Abstand man am besten nehmen sollte und warum auch das Supermarktgemüse nicht verschont wird, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Wie kommt es, dass schädliche Stoffe an Straßenrändern vorkommen?

Dazu gibt es etliche Untersuchungen, beginnen wir mit dem Schwermetall Blei. Bis 1988 wurde es dem Benzin beigefügt und war damit die Hauptquelle für die Umweltbelastung mit diesem (in höheren Dosen) gesundheitsschädlichem Schwermetall. Durch die Abgase landete Blei, genau wie das Schwermetall Cadmium, am Fahrbahnrand. Doch nicht nur der Verbrennungsvorgang selbst führt zu einer Emission gesundheitsgefährdender Stoffe , auch Ölverluste der hydraulischen Systeme und des Motors, Verunreinigungen und Zugaben des Kraftstoffs, als auch Motor- und Reifenabnutzung tragen ihren Teil dazu bei. So sind neben den bereits genannten Schwermetallen Kupfer, Zink, Nickel, Chrom und andere Schwermetalle ebenso zu finden, wie die krebserregenden Polycyclischen aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese lagern sich als feinste Partikel auf der Fahrbahn ab, werden vom Regen weggespült und bis zu zehn Meter weit an den Fahrbahnrand verfrachtet.

Sind die Pflanzen am Straßenrand mit schädlichen Stoffen belastet?

Nun stellt sich die Frage, ob auch die Pflanzen, die am Straßenrand wachsen, belastet sind. Pflanzen nehmen nicht nur für uns lebenswichtige Mineralien aus dem Boden auf, sondern zum Teil auch für uns unerwünschte Stoffe.

Frau Dr. Säumel von der TU Berlin hat dazu recherchiert und die Ergebnisse in einem Informationsschreiben veröffentlicht. Sie fand zwar keine Untersuchungen über Auswirkungen des Straßenverkehrs auf Wildpflanzen, aber dafür welche von urban angebautem Gemüse. Wir gehen hierbei jedoch von einer gewissen Übertragbarkeit aus. Ihr Fazit: in der Nähe von stark befahrenen Straßen (ca. 10m) sind ein Teil der analysierten Pflanzen mit Schadstoffen belastet. So wurden die Grenzwerte für Blei in 67% der Fälle überschritten. 10 Meter ist dabei tatsächlich nicht viel und diese hohen Werte nur bei stark befahrenen Straßen gemessen, in ruhigeren, einspurigen Straßen liegen die Werte vermutlich deutlich darunter. Übrigens: Verschiedene Pflanzenarten lagern diese schädlichen Stoffe in unterschiedlichen Bereichen ein, so lagert Beinwell Cadmium eher in den Wurzeln und Brennnessel eher in den Blättern ein.

Wildkräuter am straßenrand? Besser nicht an stark befahrenen Straßen sammeln! Einen interessanten Hinweis gibt sie noch: man braucht nicht zu glauben, dass beim Supermarktgemüse immer die Grenzwerte eingehalten werden, ganz im Gegenteil: Zum Teil sind einige Kulturen (z.B. Kohlrabi) nicht selten stark belastet und überschreiten die Grenzwerte regelmäßig.

wildkräuter am straßenrand

Fazit Wildkräuter am Straßenrand:

Wildpflanzen können in der Nähe von stark befahrenen Straßen durchaus belastet sein. Mit stark befahren sind in der Regel hochfrequentierte und mehrspurige Verkehrsstraßen gemein. Wer Wildkräuter und Früchte sammeln möchte, sollte das nicht an stark befahrenen Straßen tun. Am besten hält man mindestens zehn Meter Abstand, schließlich wollen wir uns mit dem Sammeln von Wildpflanzen ja etwas Gutes tun.

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Quellen:

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Kluge, Björn. „Schwermetallbelastung der Böden und Sickerwasserkonzentrationen entlang der AVUS Berlin (BAB 115)“, Technische Universität Berlin, 2010.

Säumel, Ina. „Wie gesund ist die Essbare Stadt?“, FORUM GEOÖKOLOGIE 2, 2013


Bitterstoffreich: Beifuß

Beifuß

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Giersch Smoothie
Beifuß

Die aromatische Wiederentdeckung

In diesem Artikel stellen wir das alte Gänsebratengewürz „Beifuß“ vor, das noch so viel mehr kann als fette Gans. Wir zeigen dir die Verwechslungspartnerinnen und Unterscheidungsmerkmale, du lernst, warum Schwangere auf den Verzehr besser verzichten sollten und dass die Germanen ihn früher als natürliches Dopingmittel verwendet haben.

Hinweis: Beifuß enthält Thujon und Campher, welche in höheren Dosen abtreibend (abortiv) wirken können. Daher wird von einer Verwendung durch Schwangere abgeraten. Nicht wenige Menschen sind gegen die Pollen allergisch. Allergiker sollten es meiden, diese Pflanze zu sammeln.

Kapitel 1: Merkmale

Die weißlich bis grauen, zum Teil gelblich-rötlichen Blüten sitzen am Ende der verzweigten und kaum behaarten Stängel und sitzen zu vielen an sogenannten Rispen, bilden also Blütenstände. Die Blüten sehen aus wie knäuelige Kügelchen, so als hätte man sie zu mehreren aneinander geklebt. Der Blütenstand riecht interessant, ist ziemlich aromatisch und erinnert entfernt an Kamille.

Beifuß kann ziemlich hoch werden, bis zu 2,50m und der mit der Zeit immer dunkler werdende Hauptstängel dann auch eine beachtliche dicke erreichen. Weiter oben gehen vom Stängel Seitentriebe ab, die dann jeweils eigene Blütenstände tragen.

Die Blätter des Beifuß sind dunkelgrün , etwas derb und gefiedert. Ein besonderes Erkennungsmerkmal ist die graufilzige Blattunterseite. Je nach Standort und Alter können die Blätter ziemlich unterschiedlich aussehen, wie ihr hier auf dem Bild erkennen könnt.

Kapitel 2: Botanisches

Die Gattung Artemisia ist bei uns mit 17 Arten vertreten, wobei der gewöhnliche Beifuß mit Abstand die häufigste Art ist, gefolgt vom Feld-Beifuß (Artemisia campestris) . Zu dieser Gattung gehören übrigens auch bekannte Arten wie Wermut (Artemisia absinthium) und Estragon (Artemisia dracunculus).

Auch wenn Beifuß und die oben genannten Arten auf den ersten Blick überhaupt nicht so aussehen: sie gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceaen); sind also mit Löwenzahn, Sonnenblume und Gänseblümchen verwandt. Nur mit einer guten Lupe kann man die typischen Röhrenblüten erkennen.

Kapitel 3: Inhaltsstoffe & Verwendbarkeit

Beifuß enthält Bitterstoffe, ist jedoch nicht so aggressiv bitter wie andere Wildkräuter (z.B. Löwenzahn). Das macht den Beifuß zu einem guten Kraut für Menschen, die zwar Bitterstoffe verwenden wollen, sich aber erst einmal langsam an diesen für vielen ungewohnten Geschmack herantasten möchten. Bitterstoffe helfen bei der Verdauung und somit ist es nicht verwunderlich dass Beifuß traditionell dem fettigen Gänsebraten beigelegt wurde. Interessanterweise wirken Bitterstoffe einerseits appetitanregend, gleichzeitig isst man weniger, wenn man bitterstoffreiche Nahrung zu sich nimmt. In unserem Artikel über Bitterstoffe erfährst du mehr über diese interessante Inhaltsstoffgruppe.

Beifuß in der Küche

Kulinarisch kann Beifuß viel mehr als Gänsebraten. Dieses bei uns früher sehr häufig verwendete Würzkraut ist in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten, ist aber gerade wieder im Kommen. Zum Teil findet man ihn wieder auf den Märkten. Durch die leichte Bitterstoffnote und die ätherischen Öle eignet sich Beifuß sowohl für Herzhaftes, als auch für Süßspeisen und Eistee. Folgende Rezepte mit Beifuß können wir euch sehr ans Herz legen:

Beifuß in der Hausapotheke

Beifuß als Tee zubereitet kann durchaus verdauungsfördernd sein, was sich auf die enthaltenen Bitterstoffe zurückführen lässt. Dafür kann man die oberen Stängelabschnitte samt Blüten und Blättern sammeln und mit kochendem Wasser übergießen. Zugedeckt für 15 Min. ziehen lassen. Wem er so zu bitter ist, kann den Tee mit Wasser mischen.

Achtung: wie bereits weiter oben erwähnt, sollten Schwangere auf die Verwendung von Beifuß verzichten. Thujon und Campher haben möglicherweise eine abtreibende Wirkung, da  die Gebärmutter möglicherweise stärker durchblutet wird. Menschen mit einer Beifußallergie, sollten diesen auch nicht sammeln, wobei diesen nur der Pollen gefährlich werden kann.

Heilwirkung von Beifuß

Vielen Wildkräutern werden diverse Heilwirkungen nachgesagt. Uns ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich dabei um Erfahrungswerte handelt (Volksmedizin, Teile der Naturheilkunde etc.) oder ob es dazu Studien nach anerkannten wissenschaftlichen Standards gibt. Hier sind unsere Rechercheergebnisse:

Heilwirkung von Beifuß aus Sicht der Rationalen Phytotherapie (durch Studien belegt)

Kommission E: Dem Beifuß wurde hier eine negativ-Monografie ausgestellt, da die nachgesagten Wirkungen noch nicht nachgewiesen wurden (zum Teil, weil es an Studien mangelt) und eine abortive Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann.

Heilwirkung von Beifuß aus Sicht der Volks- / Naturheilkunde (nicht durch Studien belegt)

Für die Volksheilkunde ist der Beifuß ein wahres Wunderkraut und soll vor allem bei Krankheiten und Schmerzen in Verbindung mit dem weiblichen Geschlechtsapparat helfen. Aber auch bei Gelbsucht, bei Fettleibigkeit, Übelkeit, Epilepsie und als Magenstärkendes Mittel wurde und wird es in der Naturheilkunde eingesetzt.

Kapitel 4: Verwechslung & Gefahren

Einsteiger haben zu Beginn etwas Schwierigkeiten, den gemeinen Beifuß zu erkennen. Das liegt zum einen an der scheinbaren Ähnlichkeit mit ein paar weiteren Arten, zum anderen kommt der Beifuß relativ vielgestaltig daher, vor allem was die Blätter angeht.

Andere Beifuß – Arten
Der gemeine Beifuß kann theoretisch mit anderen, heimischen Beifuß-Arten verwechselt werden, diese sind jedoch – vom Feld-Beifuß einmal abgesehen – ziemlich selten. Darunter sind keine bekannten giftigen Arten. Der Feld – Beifuß (Artemisia campestris) ist insgesamt viel feingliedriger und hat schmale, lanzettliche Teilblätter. Der Stängel ist meist rötlich.

Wermut (Artemisia absinthium)

Der ähnlich aussehende, aber viel seltenere Wermut enthält zum Teil sehr hohe Konzentrationen an Thujon (siehe Geschichte des Absinth) , jedoch läuft man wohl kaum Gefahr, sich damit zu vergiften: Wermut ist so abartig bitter, dass man es gar nicht schafft, bedenkliche Mengen zu sich zu nehmen. Wermut hat gelbe Blütenköpfe, die vom Beifuß sind eher gräulich bis rötlich. Wirkt Beifuß eher dunkelgrün, hat der Wermut eine grau – grüne Farbe.

Beifuß – Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia)

Die Beifuß – Ambrosie stammt ursprünglich aus Nordamerika und breitet sich zur Zeit bei uns ziemlich stark aus. Sie rückt regelmäßig in den Mittelpunkt, da sie bei uns mittlerweile zu den stärksten Allergie – Auslösern zählt. Ist sie für Nichtallergiker ungefährlich, können bereits winzige Mengen der Pollen bei Allergikern zu schwerem Heuschnupfen, Atemproblemen und Asthma führen. Auf den ersten Blick sehen die Blätter der Ambrosie denen des Beifußes ähnlich. Dreht man das Blatt jedoch um, erkennt man ein deutliches Unterscheidungsmerkmal: die Blattunterseite der Ambrosie ist grün, die des Beifußes graufilzig.

Gänsefuß-Arten und Melde-Arten

Wer nur auf die weißlichen, rispenartigen Blütenstände schaut, kann die Melde- und Gänsefuß-Arten zunächst für den Beifuß halten. Sieht man sich jedoch die Blätter an, erkennt man sofort den Unterschied: im Gegensatz zum Beifuß sind diese nicht gefiedert. Zudem wäre eine Verwechslung auch nicht schlimm: unsere heimischen Gänsefuß- und Meldearten sind alle essbar .

Eisenhut

Im jungen Stadium und bei Pflanzen ohne Blüten sehen die Blätter des hochgiftigen Eisenhutes auf den ersten Blick dem Beifuß ähnlich. Eisenhut gehört zu den giftigsten Pflanzen Mitteleuropas und wächst natürlicherweise in höheren Lagen. Dieser ist vor allem in den Alpen ziemlich häufig, wird aber überall nicht selten als Garten-Zierpflanze gezogen. Am besten wartet man, bis die beifußtypischen Blüten da sind , außerdem ist Eisenhut auf der Blattunterseite nicht graufilzig.

Kurzcheck "die Richtige"

Alle wichtigen Erkennungsmerkmale des Beifußes zusammengefasst

Kapitel 5: Sammelorte & Sammelzeiträume

In diesem Kapitel wollen wir uns mit der Sammelpraxis beschäftigen. Wo finde ich Beifuß , wo kann ich ihn am besten Sammeln? Und welche Jahreszeit ist die beste, um Beifuß zu Sammeln?

Der gewöhnliche Beifuß ist ziemlich häufig und mag Sonne und leicht feuchte Böden. Besonders häufig wächst er auf Ruderalflächen wie Baustellen, Schotterplätze und Kiesgruben, an Wegrändern auf Wiesen. Der Beifuß blüht von Juni bis Oktober. Sammeln kann man ihn im prinzip von Juni bis November, wobei er gegen Ende des Jahres immer mehr Bitterstoffe einlagert. Vom Beifuß lässt sich leicht ein Vorrat anlegen. Dafür kann man die oberen Stängelabschnitte an einem warmen und dunklen Ort für mehrere Tage trocknen, bis sie beim Brechen bröseln.

Kapitel 6: Mythologisches & Historisches

Woher kommt der Name Beifuß? Was haben unsere Vorfahren mit dem Beifuß verbunden, welche Mythen ranken sich um ihn? Was gibt es sonst noch interessantes über den Beifuß zu berichten?

Über die Mythologie und die Verwendungsgeschichte des Beifußes könnte man ein ganzes Buch schreiben. Wir wollen hier einmal die interessantesten Geschichten auspacken.

Beginnen wir mit den Namen. Artemis war die griechische Göttin der Jagd, des Mondes, des Waldes, der Geburt und zugleich hüterin der Frauen und Kinder. Der Beifuß wurde auch bereits in der Antike als Heilpflanze der Frauen angesehen. Die Herkunft des deutschen namens Beifuß ist nicht ganz geklärt, hier einmal zwei nette Erklärungsversuche: baut ist ein germanisches Wort für „stoßen“, möglich, dass dieses Wort auf die Verwendung als gemörsertes Gewürz / Heilkraut zurückzuführen ist. Die andere, besonders amüsante Theorie: die Germanen glaubten, Beifuß könne einen schneller und ausdauernder Laufen lassen, deshalb band man sich das Kraut an das Bein („Bei – Fuß“), quasi ein natürliches, antikes Dopingmittel. Daneben hat Beifuß noch den Namen Mugwurz , im englischen heißt die Pflanze auch mugwort.  Möglich ist eine Verbindung zum germanscihen Wort „mygg“ – Mücke / Fliege, da das Kraut wohl auch verwendet wurde, um Fliegen aus dem heim zu vertreiben. Das ist nicht völlig undenkbar, es ist bekannt, dass das enthaltene Thujon von vielen Insekten gemieden wird. Zum Beifuß gab es einige besonders kreative Rituale und Aberglauben: schaute man in der Nacht zum Johannistag (Sommersonnenwende) unter die Pflanze, so konnte man ein Stück glühende Kohle finden. Nachdem dieses abgekühlt war, half es gegen vielerlei Krankheiten. Es gibt viele Geschichten um diese Pflanze, die häufig mit der Sommersonnenwende in Verbindung stehen, daher auch der Name Sonnenwendgürtel.

Quellen:

Larbig, Manuel , Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Genaust, Helmut, Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 1996.

Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 1967.

Mannhardt, Wilhelm: Wald und Feldkulte, 1905.

Marzell, Heinrich: ≫Worterbuch der deutschen Pflanzennamen.≪ 1937.

Marzell, Heinrich: Unsere Heilpflanzen, ihre Geschichte und ihre Stellung in der Volkskunde, 1938.

Bartsch, Karl: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg, 1879.


NaturNerds Podcast - Urzeitlicher Spaziergang durch Deutschland

NaturNerds Podcast

NaturNerds Podcast - der Natur Podcast der besonderen Art!

NaturNerds Podcast: Urzeitlicher Spaziergang durch Deutschland.

In dieser dreiteiligen Spezialreihe „Urzeitlicher Spaziergang durch Deutschland“ wird Manuel Larbig von Waldsamkeit aus der Nähe von Frankfurt drei verschiedene Zeiten der Vergangenheit bereisen und berichten, was er dort vorfindet. Dafür hat er sich extra im Netz eine gebrauchte Zeitmaschine gekauft und hofft nun, dass sie auch wirklich funktioniert.

Teil 1: Eozän
Teil 2: Eem – Warmzeit
Teil 3: “Eiszeit” (Release 1.7.22)

Dazu gibt es zwei Hintergrundfolgen mit tiefergehenden Infos zu diesen Zeiten, sowie Expert*inneninterviews (Release ab Juli 2022)

Hinweis: unterhalb des Players findest du einen “Abonnieren” Button. Dann verpasst du keine neuen Folgen. Für ein besseres Hörerlebnis empfehlen wir dringend Kopfhörer.

Unsere Waldmeister*innen, die uns über Steady unterstützen, erhalten Zugang zu Bonusfolgen.

Teil 1: Das Eozän. Eine Zeitreise 50 Millionen Jahre in die Vergangenheit.

In Teil 1 reist Manuel mit euch in das tropische Eozän vor 50 Millionen Jahren. Die Alpen wurden gerade erst geboren und es war nicht lange her, dass die Dinos ausgestorben sind. Dort trifft er nicht nur auf Ambulocetus, einem vierbeinigen Vorfahr der Wale, auch sieht er Urpferdchen und riesige Ameisen.

Teil 2: Die Eem - Warmzeit. Eine Zeitreise 120.000 Jahre in die Vergangenheit.

In Teil 2 nimmt euch Manuel mit in die Eem-Warmzeit vor 120.000 Jahren. Deutschland war damals dicht bewaldet und beherbergte Tiere, die man hier niemals erwarten würde, so wie den Waldelefanten oder das Flusspferd.

Teil 3: Die Weichsel Kaltzeit. Eine Zeitreise 20.000 Jahre in die Vergangenheit

Teil 3: Wie sah es bei uns vor 20.000 Jahren aus? Mammuts in Brandenburg und Rentiere in Sachsen. Eine spannende Zeitreise mit dem Biologen Manuel larbig.

Hintergrundfolge Eozän

In dieser Hintergrundfolge zur Spezialreihe “Urzeitlicher Spaziergang durch Deutschland” beschreibt Manuel das Eozän etwas genauer. Er beschreibt die Tiere und Pflanzen, die er während seiner Zeitreise sehen durfte und zeigt auf, wie Europa vor 50 Millionen Jahren aussah. So trifft er unter anderem auf Ambulocetus, einem vierbeinigen Vorfahren der Wale. Das Expertinneninterview hat er mit der Biologin Christine Hogefeld von der UNESCO – Weltnaturstätte Grube Messel vor Ort durchgeführt, eine der spannendsten Fundstellen Deutschlands.

Hintergrundfolge Eiszeit

In dieser Hintergrundfolge zur Spezialreihe “Urzeitlicher Spaziergang durch Deutschland” beschreibt Manuel den Begriff “Eiszeit” etwas genauer und nimmt die beiden zuvor bereisten Zeiten innerhalb des Känozoisches Eiszeitalters unter die Lupe (Eem – Warmzeit und Weichsel Kaltzeit). Er beschreibt die Tiere und Pflanzen, die er während seiner Zeitreise sehen durfte und zeigt auf, wie MItteleuropa sich seit 2,7 Millionen Jahren stetig verändert. Das Expertinneninterview hat er mit der Paläobiologin Lukardis Wencker vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt vor Ort durchgeführt.

Folgende Quellen und weiterführende Literatur können wir empfehlen:

Koenigswald, Wighart von (2002). Lebendige EisZeit (2.Auflage) Theiss.

Streit, Bruno (2007). Was ist Biodiversität? : Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt. Beck.

Küster, Hansjörg (2019). Der Wald. Natur und Geschichte. CH Beck.

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Malefiz Pulver

Malefiz Pulver

Malefiz Pulver
Mythologie

Malefiz Pulver

Malefiz- Pulver ist heute nicht mehr vielen Menschen bekannt. In Zeiten des Mittelalters war es für viele allerdings unentbehrlich, um sich vor bösem Zauber zu schützen. Was es mit dem Pulver aus dem Mittelalter auf sich hat, zeigen wir euch im Folgenden Artikel.

Magisch, mystisch, malefiz.

Das lateinische Wort maleficium, was so viel bedeutet wie „Übeltat, Frevel, übles Werk“,  kann als Lehnwort für Malefiz gesehen werden. Im Mittelalter stand Malefiz weitestgehend für eine schlechte Tat, oder das Laster der Zauberei.  Im ausgehenden Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit bezeichnete man zusehends moralische, kriminelle oder rechtliche Verfehlungen als Malefiz, es gab ein Malefizgericht, ein Malefizrecht oder eine Malefizverordnung. Heute kennen wir Malefiz als Brettspiel, das dazu anstiftet, seinen Mitspielern gezielt Steine in den weg zu legen, was je nach Gemütslage immer noch als übles Werk angesehen werden kann.

Beinahe das gesamte Mittelalter hindurch wurde das Meleficium unter Strafe gestellt. Denn Meleficium meinte das Nutzen von schwarzer Magie und im Besonderen den Schadenszauber. Dieser beinhaltet magische Praktiken, mit deren Hilfe Menschen Schaden zugefügt werden sollte. Personen, die den Schadenszauber ausübten, wurden als Hexen bezeichnet und diese konnten, so der Glaube zu jener Zeit, mit allerlei Hilfsmitteln wie Kräutern, Teilen von Tier- oder Menschenkörpern den Menschen und Tieren erheblichen Schaden zuführen.

Mittels Zauber oder Fluch, durch eine einfache Berührung oder einen Blick (den sog. „Bösen Blick“) konnten Hexen die Menschen peinigen. Oft wurden sie auch für ganze Ernteausfälle verantwortlich gemacht. Damals diente der Vorwurf des Schadenzaubers als Erklärung für Unglücksfälle und persönliche Schicksalsschläge.

Für die Menschen in der frühen Neuzeit stand fest, dass Hexen durch den Teufel dazu gebracht werden konnten, anderen Schaden zuzufügen, und sie dann im Schadensfall ein Todesurteil zu erwarten hatten.  Traurige Berühmtheit erlangte das Malleus meleficarum der Hexenhammer oder das Malefizhaus, das sog. Hexengefängnis von Bamberg. Womit Menschen zu einem Geständnis durch Folter gezwungen wurden und schließlich, um ihre Seelen zu läutern, verbrannt wurden.

Malefiz Pulver

Was steckt hinter dem Malefiz Pulver?

Um sich dem zu entziehen und zu schützen, wurde das Malefiz Pulver auf verschiedensten Wegen genutzt. Ob als Pulver, um den Hals getragen in einem Amulett, als Räucherung oder Pflaster, sogar als Getränk oder Öl – die Menschen von damals kannten viele Wege und Rituale das Pulver zu nutzen. Das sollte dabei helfen, sich und die Familie, das ganze Dorf oder Haus und Hof zu schützen. Das Malefiz Pulver wurde ein bisschen wie ein Allzweckheilmittel genutzt. Es gab die sog. „Malefiz Krankheiten“, gegen die nur das Pulver helfen konnte. Innerlich angewandt, einem Getränk oder Butter und Schmalz zugesetzt, half es gegen innere Krankheiten und Verwünschungen. Äußerlichen Verwünschungen konnte das Pulver mit Schmalz direkt auf die kranke Stelle aufgetragen werden. Vor bösen Träumen schützten sich die Menschen, in dem sie das Pulver unter ihr Kopfkissen streuten.

Der Hauptbestandteil des Pulvers ist immer die getrocknete und pulverisierte Wurzel der echten Nelkenwurz. Ihr starker Geruch und die Farbe machten die Wurzel in der damaligen Zeit zu einer Pflanze, die gegen alles Dämonische helfen konnte. Auch das echte Johanniskraut wurde dem Pulver beigemischt. Der Legende nach, ist es aus dem Blut von Johannes dem Täufer entsprungen und galt in jener Zeit ebenfalls als Schutzpflanze vor Dämonen und Teufeln.  Der gewöhnliche Beifuß ist eine uralte Zauberpflanze und galt ebenfalls als Dämon abwehrend. Je nach Verwendungszweck des Pulvers konnten auch die Kräuter variieren.

Die echte Nelkenwurz - eine Pflanze mit Tradition

Bereits im Altertum wurde die echte Nelkenwurz (Geum urbanum) als Heilpflanze verwendet. Plinus der ältere empfahl bei Brustbeschwerden. Im Mittelalter wurde sie bei Schlaganfällen, Hirnhautentzündungen und Blasenschwäche eingesetzt.  Hildegard von Bingen beschrieb die echte Nelkenwurz sogar als Aphrodisiakum, was ihr den Beinamen „Manneskraft“ verlieh.

Die Benediktinermönche mischten die Pflanze in ihre Kräuterlikör, wodurch sie auch den Namen „Benediktenkraut“ erhielt.  Ihr hoher Gehalt an Gerbstoffen und ätherischen Ölen, allen Voran das Eugenol, welches für den Nelkenartigen Duft der Wurzel verantwortlich ist, wirkt nicht nur desinfizierend, sondern aromatisieren auch Wein und Bier.

In der heutigen Volksheilkunde wird sie aufgrund ihrer Inhaltstoffe bei Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und als Gurgelmittel bei Halsschmerzen eingesetzt. In der modernen Pflanzenheilkunde hat sie keine Bedeutung mehr.

Die Echte Nelkenwurz zählt zu den Rosengewächsen, wird bis zu 60cm hoch und besitzt einen dicken meist unverzweigten Wurzelstock. Ihre Blüten sind gelb und sind von Mai bis September zu finden. Charakteristisch sind die klettenartige und zerfallende Früchte, die aussehen wie kleine Morgensterne. Die Pflanze kann das ganze Jahr über gefunden werden. Im Winter zieht sie sich allerdings stark zurück. Ihr findet die echte Nelkenwurz an feuchten Gebüsch- und Waldrändern, aber auch an schattigen Wegrändern, Zäunen und Mauern. Sie ist in fast ganz Europa zu finden und in Deutschland weit verbreitet.

Die beste Sammelzeit ist der Mai. Hier könnt ihr die Wurzel ausgraben, säubern und zerkleinern. Anschließend wird sie getrocknet, dies könnt ihr an einem trockenen warmen Ort oder auch im Backofen bei kleiner Hitze machen. Auch das Kraut kann zu dieser Zeit gesammelt werden.

Um mehr über die Verwechlsungsmöglichkeiten der echten Nelkenwurz mit giftigen Doppelgängern zu erfahren, empfehlen wir unser Artportrait über die echte Nelkenwurz.

Andere Beiträge

Quellen

Larbig, Manuel. Mein Wildkräuterguide. Penguin Verlag, 2021.

Bocksch, Manfred. Das Praktische Buch der Heilpflanzen. BLV Buchverlag GmbH & Co.KG, 2021

abgerufen am 01.02.2022

https://de.wiktionary.org/wiki/Malefiz

abgerufen am 01.02.2022

https://de.wikipedia.org/wiki/Schadenzauber

abgerufen am 10.01.2022

https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemma=Malefiz#0

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/DWB>, abgerufen am 10.01.2022

https://books.google.de/books?id=nbYgAAAAQBAJ&pg=PR36&lpg=PR36&dq=Gerda+Hoffmann:+Beitr%C3%A4ge+zur+Lehre+von+den+durch+Zauber+verursachten+Krankheiten+und+ihrer+Behandlung+in+der+Medizin+des+Mittelalters.&source=bl&ots=XhhrsXvNVO&sig=ACfU3U3WkSnhfmpX8wT_IJwWiZubRth99g&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwinjsOf6qf1AhVnRPEDHVqJAG4Q6AF6BAgKEAM#v=onepage&q=Gerda%20Hoffmann%3A%20Beitr%C3%A4ge%20zur%20Lehre%20von%20den%20durch%20Zauber%20verursachten%20Krankheiten%20und%20ihrer%20Behandlung%20in%20der%20Medizin%20des%20Mittelalters.&f=false abgerufen am 10.01.2022

Arzt und Heilkunde in den frühmittelalterlichen Leges: Eine wort- und sachkundliche Untersuchung

Annette Niederhellmann

Gerda Hoffmann: Beiträge zur Lehre von den durch Zauber verursachten Krankheiten und ihrer Behandlung in der Medizin des Mittelalters. S.92-119

https://www.dwds.de/wb/Malefiz  abgerufen am 10.01.2022

Deutsches Wörterbuch