Fuchsbandwurm

Fuchsbandwurm vom Kräutersammeln?

Eine reale Gefahr?

Wir werden immer wieder gefragt, wie groß die Gefahr ist, sich beim Wildkräutersammeln einen Fuchsbandwurm einzufangen.

Fuchsbandwürmer (Echinococcus multilocularis)) sind Parasiten. Das bedeutet, dass sie sich nur durch “ Ressourcenerwerb mittels eines in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art“ (Definition laut wikipedia) ernähren können. Sprich: sie leben in einem anderen Lebewesen und ernähren sich von diesem.

Der Endwirt (also der Wirt, indem sich der Parasit vermehren kann) ist hierbei der Rotfuchs (Vulpes vulpes). Doch wie gelangt er in diesen? Nachdem die Wurmeier mit dem Kot ausgeschieden werden, können Zwischenwirte diese Eier aufnehmen. Das tun in diesem Fall verschieden Mäusearten, die in Kontakt mit dem Kot von Füchsen kommen. Die Mäuse werden wiederum von einem Fuchs gefressen: Der Kreis schliesst sich. Gelangt der Wurm nun aber in einen Fehlwirt (z.B. den Menschen), kann es diesen stark schwächen.

Doch wie kann der Mensch sich nun anstecken?

Man weiß nun schon seit längerem, dass der Mensch sich nur über die Atemwege mit Eiern infiziert. Dazu muss mit Eiern besetzter Kot durch mechanische Einwirkung aufgewirbelt werden. Eine orale Übertragung findet nach neuestem Erkenntnisstand nicht statt. Potentiell gefährdete Gruppen sind hierbei Bauern.

Die Wahrscheinlichkeit, sich beim Kräutersammeln anzustecken ist sehr gering. Hier etwas Statistik (der Biologe in mir kann sich  nicht zurückhalten, mit freundlicher Genehmigung der TU München ) :

Man muss hierbei Bemerken: es handeln sich hier um deutschlandweite Zahlen. Pro Jahr! 2006 war ein „Rekordjahr“ mit gerade mal 30 Ansteckungen (4 in Berlin).  Im Vergleich dazu mal folgende Zahlen zum Vergleich:

  • 3 177 Verkehrstote pro Jahr
  • 9800 tödliche Unfälle im Haushalt
  • 16 tödlich endende Wespenstiche
  • 8 Tote durch Blitzschlag

Dieser Vergleich soll ein Gefühl der Relation vermitteln: Auch wenn sie diese Zahlen kennen, steigen Sie trotzdem des öfteren in ein Auto oder steigen weiterhin auf die Leiter um die Decke zu streichen.

 

Also: Fuchsbandwurm vom Kräutersammeln?

Ja, man kann sich theoretisch durch Kräutersammeln mit dem Fuchsbandwurm anstecken. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr sehr gering. Bauern, Hundehalter und Jäger gehören da aus den oben genannten Gründen viel eher zu den gefährdeten Gruppen als Kräutersammler. Wer sich aber dennoch unsicher ist, kann die Kräuter und Beeren gründlich waschen oder besser noch: abkochen.


Wildkräuter im Winter

Gibt es essbare Wildkräuter im Winter?

Erst einmal die gute Nachricht: Ja, die gibt es. Auch im Winter muss man nicht auf eine leckere Wildkräuterbeilage verzichten – auch wenn die Auswahl naturgemäß viel kleiner ist als in den anderen 3 Jahreszeiten.

Pflanzen im „Winterschlaf“

Viele Pflanzen gehen scheinbar im Winter zugrunde. Lediglich abgestorbene Halme bleiben bei vielen Kräutern im Winter stehen und zeigen uns an, wo man im Frühling nach ihnen Ausschau halten kann. Aber nicht verzagen: wer suchet, der findet! Der Biologe unterscheidet bei den Pflanzen grob 4 unterschiedliche Lebensformtypen (auch Überdauerungsformen. Anm.: Nach RAUNKIAER werden 8 Typen unterschieden, der einfachheit halber stellen wir nur 4 Typen vor)

Die erste Pflanzengruppe (Einjährige) überwintert häufig als Samen. Die Pflanze keimt, bildet Samen und stirbt – alles während eines Jahres. Ein Beispiel wären hier die Knopfkraut-Arten (Galinsoga sp.) . Diese Arten sind im Winter für den Wildkräutersammler oft uninteressant: Die Pflanzen sind vertrocknet, beinhalten so gut wie keine Nährstoffe mehr oder sind ungeniessbar. Die Samen sind meist schon verteilt, von Tieren gefressen oder verfault. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Manche Arten (Winteranuelle) keimen erst im Herbst und überwintern mit frischem und leckeren Blattgrün unter dem Schnee (siehe Bild „Vogelmiere“). Andere Arten wie die purpurrote Taubnessel warten nicht erst auf den Frühling, sondern blühen das ganze Jahr hindurch.

Die zweite Gruppe (Oberflächenüberwinterer) bilden meist eine Blattrosette (dicht gedrängte bodennahe Blätter) und leben mindestens 2 Jahre – die Überdauerungsorgane befinden sich dabei knapp oberhalb des Bodens. Die meisten Süßgräser und viele Sauergräser gehören dazu. Der Rasen im Garten muss ja auch nicht jedes Jahr neu gesät werden: verwitternde Blattscheiden umschliessen die Erneuerungsknospen und schützen diese vor Erfrierungen. Unter diesem Lebensformtyp lassen sich im Winter einige essbare Wildkräuter finden. Beispiele sind hierbei Gundermann und Gänseblümchen. Unter dem Schnee kann man oft sogar blühende Exemplare finden und sich damit einen kleinen Salat anrichten.

Die Pflanzen der dritten Gruppe werden als Erdpflanzenbezeichnet. Das Bedeutet, dass sich ihre Überdauerungsorgane (oft Zwiebeln oder Rhizome) unterhalb der Erdoberfläche befinden. Diese Pflanzen fallen für den Wildkräutersammler im Winter aus Sicherheitsgründen in der Regel weg: zu groß ist das Risiko, eine ebenfalls unter der Erde überwinternde giftige Art zu erwischen. Denn davon gibt es nicht wenige: Herbstzeitlose, Maiglöckchen und Co sind nur anhand der Zwiebel kaum von den essbaren Arten wie Bärlauch und Weinberglauch zu unterscheiden. Also: Finger weg und auf den Frühling warten!

Zuguterletzt bilden die Oberflächenpflanzen die vierte Gruppe. Dazu gehören zum einen krautige Pflanzen wie die Fetthennen-Arten (Sedum) und das Zymbelkraut. Aber auch verholzende Arten wie die Heidelbeere gehören dazu. Diese Gruppe ist eher uninteressant, wenn man im Winter Wildkräuter sammeln möchte. Junge Knospen der Fetthennen -Arten können zwar gefunden werden, aufgrund des Gehaltes an Alkaloiden sollte nicht viel davon verzehrt werden. „Hagebutten“, die Früchte von Rosa – Arten können im Winter durchaus gefunden werden (zählen allerdings zu Sträuchern)

Welche essbaren Pflanzen kann ich nun im Winter finden?

Hier eine Liste ausgewählter Arten:

  • Junge Triebe von Brennnesseln
  • Vogelmiere
  • Fetthenne (Alkaloidhaltig)
  • Gundermann
  • Wegerich – Arten
  • Gänseblümchen
  • Taubnessel – Arten

Fazit

Ja, man kann die Küche auch im Winter mit gesunden Wildkräutern bereichern. Letztendlich schmecken Wildkräuter aber immer noch am besten, wenn sie im Frühling frisch austreiben. Und: Finger weg von den Erdpflanzen (Geophyten) ! Die Gefahr, sich zu vergreifen ist einfach zu groß.