Lauf Manu, Lauf!

16.Juni

Ich laufe den ganzen Tag und komme irgendwann in einen Trance-ähnlichen Zustand, merke meine Beine überhaupt nicht mehr. 10 km vor Eberswalde bleiben Rocko und ich auf dem Waldweg stehen – war das eben ein Heulen? Und ja, Rocko schaut ganz irritiert in die Richtung aus der diese markerschütternde und gleichzeitig anziehende Geräusche herkommen. Mir wird schnell klar, dass es Wölfe sind. Die Wölfe des Eberswalder Zoos – denn hier in der Nähe gibt es (leider) noch keine Rudel. Wie toll muss es sein, Heulen in der Wildnis Sibiriens oder in Kanadas zu hören. Ich wünsche mir zutiefst, dass wir in Deutschland in Zukunft öfter in den Genuss kommen werden! Das Heulen gibt mir Kraft und ich laufe einfach in der Dunkelheit weiter bis ich mitten in der Nacht bei Isabel ankomme. Ich bin nun wieder daheim. Bei ihr, bei meinen Freunden.

Die Hauptstadt

14.Juni

Laufe von Potsdam Richtung Jungfernheide um meine Schwester und Louis zu Besuchen. So viele Menschen, ich bekomme gleich ob des Lärms und der ständigen Hektik Kopfschmerzen. Diese Geschwindigkeit, mit der hier alles vonstatten gehen muss, schrecklich. Sehne mich nach dem Wald. Abends jedoch verfliegt dieses Gefühl wieder, werde mit einem 3-Gänge-Menü begrüßt, davon hatte ich ja gar nicht zu träumen gewagt! Meine Zunge war solch edle Speisen garnicht mehr gewöhnt!

Potsdam

13.Juni

Nachdem ich seit Halle keinen Ruhetag eingelegt habe und wir die letzten Tage jeweils über 30 km gelaufen sind liegt nun ein entspannter Abend mit serbischer Gastfreundschaft, Grillen im Hof und ein paar Bier in einem Potsdamer Kulturzentrum vor uns. Bin ein wenig überfordert, muss mich an größere Menschengruppen erst einmal wieder gewöhnen. Geniesse den Abend aber dennoch voll und ganz!

Schwielowsee

12.Juni

Übernachten auf einer kleinen Anhöhe im Wald, von der aus wir die Segelschiffe auf dem Schwielowsee beobachten können. Nach einem Gläschen serbischen Schnaps und einem fast schon  kitschigen Sonnenuntergang haben wir eine angenehme Nacht unter freiem Himmel.

Sonne, Sand und Kiefern

11.Juni

Holger begleitet mich von Belzig nach Potsdam. Die Hitze ist mittags fast unerträglich, wir laufen durch staubtrockende Kiefernwälder. Eigentlich ein wunder, dass es so selten zu Waldbränden kommt, die trockenen Kiefernadeln in der Streuschicht sind ein wahres Zundernest…Finden in einem unschönen Mono-Kiefernforst eine wunderschöne einsame Eiche und schlafen unter dem Schutz ihrer Krone.

Elbe

9.Juni

Die Sonne weckt mich. Wie wunderbar es ist in einem lichtdurchfluteten Wald aufzuwachen! Ich kann mir keinen schöneren Wecker vorstellen. Je näher ich der Elbe komme, desto schöner wird die Gegend! Der Höhepunkt: Flusslandschaften mittlere Elbe – was für eine wunderschöne Landschaft. Erreiche am Abend Coswig.

Agrarwüsten

8.Juni

Nach einer kühlen Nacht laufen wir weiter. Der gute Boden hier ist ein Fluch für den Wandermann. Die Eintönigkeit hiesiger Agrarwüsten nagt an den Nerven. Riesige Getreidefelder weit und breit, ab und zu ein großes Geflügel-KZ. Stacheldrahtzäune erzeugen ein mulmiges Gefühl beim Anblick der lagerähnlichen Gebäude. Selbst wenn man zu ihnen gelangen würde wäre kein Hineinsehen möglich: sie besitzen kein einziges Fenster.

Erfrischung

7.Juni

Kommen nach langem Wandertag an azurblauem Kiessee an, gehen baden und schauen den Bienenfressern beim Jagen ihres Abendbrotes zu.

 

 

Ein letzter Ruhetag

5.Juni
Bevor mein letzter Abschnitt beginnt (Felix läuft 2-3Tage mit), bewaffne ich mich mit Tabletten und Sprays. Ich hoffe auf Regen, damit die Pollen aus der Luft gewaschen werden. Auch ziehe ich eine Routenänderung in Betracht, damit ich mehr Wald und weniger Feld laufe.

Pollen

4.Juni
Habe mit Isa in einem Feld mit Rispengräsern geschlafen, gegen die scheine ich allergisch zu sein. Habe am nächsten morgen Druck auf der Brust und bekomme schlecht Luft. In Halle, wo ich Zwischenstation bei meinem besten Freund Felix mache, gehe ich zum Arzt. Hatte wohl morgens einen asthmatischen Anfall, er gibt mir ein Spray mit. Das kann ich jetzt ja gerade noch gebrauchen…

Schalk

2. Juni
Wache um 6 Uhr auf und laufe los. Eiskalter Regen schlägt mir ins Gesicht. Inmitten dieser misslichen Lage beginne ich lauthals loszulachen über schlechte Witze, die ich mir selbst erzähle. Danach geht es mir schon deutlich besser. Und das Wetter wird dann auch, während ich in Erfurt einlaufe, angenehmer. Abends sehe ich endlich Isabel wieder! konnte es wirklich kaum erwarten.

Mitternachtsschmaus

1. Juni
Bin um Mitternacht aufgewacht und hatte Hunger (war zu nah an Siedlung und konnte abends nicht kochen). Also habe ich das dann mitten in der Nacht nachgeholt, um dann selig und mit vollem Bauch wieder einzuschlafen. Die Nächte werden langsam milder.

Herr Wandersmann!

31.Mai
Nach einer sehr kalten Nacht Abschied in Eisenach. In einem Dorf 15km östlich von Eisenach macht ein alter Mann mit seinem Fahrrad neben mir eine Vollbremsung auf der Straße. „Grüß Gott Herr Wandersmann!“ ruft er höchsterfreut aus. Er strahlt übers ganze Gesicht und will alles über meine Tour wissen. Er sei früher auch Wandersmann gewesen. Dieses Strahlen in seinen Augen werde ich nicht so schnell vergessen.

Hainich

30.Mai
Mit Judith und Louis im Nationalpark Hainich, „tiefer“ in der Natur kann man in Deutschland nicht oft sein. Was für ein Meer von Bärlauch!

Junker Jörg

29.Mai
Komme abends vom Walde her an der Wartburg an, sehe sie schon eine Weile durch die Lücken in den Eichenkronen. So hier alleine auf der Rückseite der Burg kann man sich ganz gut in Luthers Zeiten zurückversetzen. Schlafe im Wald, der Burg zu Füßen.

Wetterumschwung

27.Mai
Die Rhön ist wie eine Katze, die erst den Schoß wärmt, um einem dann mit ausgefahrenen Krallen ins Gesicht zu springen…Das Wetter kann so schnell umspringen, ist im ersten Moment noch schön und im nächsten total garstig.

Abschied

26.Mai
Nach einer druchwachsenen Nacht für die beiden trennen sich unsere Wege wieder. Ich glaube, die beiden freuen sich auf ihre Betten heute Abend…

Eine neue Erfahrung

25.Mai
Hole Katja und Roman vom „Spiegel“ in Gersfeld ab. Eine neue Erfahrung für mich, gefilmt zu werden. Schon komisch. Gewöhne mich aber recht schnell daran, da beide sehr sympatische Menschen sind.

Moorlichter

Schöner Tag mit Orchideen, Wasseramseln und Raufußkauz. Abends noch ein Spaziergang am roten Moor. Frage mich dabei, wie sich wohl die sonnnenverwöhnten Römer gefühlt haben müssen in den damaligen sumpfreichen, kühlen und mückenverseuchten germanischen Wäldern.

Nochmal Besuch

22.Mai

Ich bin an einem Dörfchen Namens Streit vorbeigekommen, da stand ein Schild: In Streit erholen und Kraft tanken. Hanna kommt mich aus Tübingen besuchen. Freue mich über den Quatsch mit ihr und Kartoffelbrei, Rotkraut und Bratwurst!

Kalt

21.Mai

So schön es hier ist, so laut ist es leider auch nachts. Güterverkehr im 10minuten-Takt hallt an den Bergen wieder. Dazu eine nasse Kälte in der Nacht- konnte maximal 3 Stunden schlafen. Tagsüber Treffen mit Main-Echo und überlege meinen ‚Joker‘ auszuspielen und einmal ein Fremdenzimmer zu nehmen, da mir der Rhön-Aufstieg bevorsteht. Liege letztendlich dann doch im Wald und bin froh darüber.

Main

20.Mai

Laufe viel an diesem schönen Fluss entlang, alles voller Wachholderdrosseln! Sehr netter Redakteur der Main-Post-Zeitung interviewt mich, zeigt mir ’sein‘ wirklich malerisches Gemünden und lädt mich noch auf Gulasch und Bier ein!

Spessart

18.Mai

Bin nun im Spessart angekommen.Schön hier- tolle Eichenwälder. Gehe den Eselsweg und den Spessart 1.
Witzig: Bekomme eine Flasche Bier als ich nach Leitungswasser frage. Und die Füße schmerzen überhaupt nicht mehr.

Gruezi !

16.Mai

Urs, welcher in Costa Rica die Recherche für meine Bachelorarbeit ermöglichte, kommt extra aus der Schweiz und begleitet mich 2 Tage. Es gibt Schweizer Schocki, Schinken und gute Gespräche!

Die Strafe

14.Mai

Es war wirklich eine große Dummheit von mir, an den Ruhetagen gar nicht zu laufen – denn jetzt wo ich wieder beginne, schmerzen die Füße mehr als je zuvor. Merke: Auch an Ruhetagen ein paar Stunden laufen.

Bei de Mudder!

11. Mai

Die Nacht wird noch schlimmer als befürchtet. Verdammt, warum musste hier der ganze Wald diesen riesigen Ackerwüsten weichen. Jetzt konnte ich mich hier nicht gescheit gegen die Kälte schützen. Feuer ist wegen der gegenwärtigen Angler auch nicht drin…gegen 00:30 in der Nacht wache ich trotz isolierender Grasmatratze und Rettungsdecke zitternd auf. Es hilft alles nichts, ich muss weiterlaufen. Also packe ich schlaftrunken meinen Kram und laufe Richtung Rhein. Dort setze ich mit der Fähre nach Gernsheim über. Jetzt bin ich doch schon so nah an meiner ersten größeren Station Darmstadt-Eberstadt! Nein, ich mache jetzt keine Rast mehr und laufe einfach immer weiter. Nachdem ich in den letzten 24h fast 60 km gelaufen bin, komme ich bei meiner Mutter an. Geschafft! Drücken, Essen, Duschen, Pennen.

Heimad isch kimm!

10. Mai

Sehr schlecht geschlafen, ohne Laubhütte sind die Nächte noch sehr kalt…Die Sonne wärmt meine müden Glieder, laufe durch die mit Windrädern und riesigen Weinbergen durchsetzete Ostpfalz. Und da, am Horizont: Die Bergstraße und der Odenwald, ich kann sie deutlich erkennen! Heimatgefühl und die Freude auf ein Wiedersehen mit meiner Mutter und Freunden packt mich. Der Anblick verschafft mir neue Energie, irgendwie scheinen sich die Bleischuhe in bleifreie Schuhe verwandelt zu haben. Rocko ist Müde von der Hitze, wir machen oft Rast. Abends bereite ich eine Grasmatratze an einem See 15 km vor dem Rhein auf. Kein Wald→Kein Laub→Keine Laubhütte→beschissene Nacht. Feuer ist hier auch nicht möglich, da zu nah an Besiedlung und Schildern warnen überall davor…Mir bangt’s schon beim einschlafen vor der Kälte der Nacht.

Turmfalkengeturtel

9. Mai

Laufe heute viel Feldweg. Fuchs, Rehe und Feldhasen gesehen. Schlage mein Lager in einer kleinen Baumgruppe zwischen 3 Feldern auf. Abends kommen mich ein Pärchen Turmfalken und nachts ein Pärchen Fasane besuchen. Letztere sind fürchterlich laut und das Männchen trötet ständig. Ich sammel wirklich besondere Erfahrungen: ich bin der Natur so nah, wohne in ihr und besuche sie nicht nur. So bekomme ich auch viel „privatere“ Verhaltensweisen der Tiere mit, da ich nicht wie beim Spazierengehen in einen Lebensraum hereinbreche, sondern u.U schon Stundenlang dort verweile und kaum noch bemerkt werde. Bei einem normalen Spaziergang hat man wahrscheinlich selten die Gelegenheit unter einem Turmfalkenpaar zu liegen und sie beim turteln zu beobachten und zu belauschen…

Verlust und Sauerei

8. Mai

Bin gerade ziemlich an Eindrücken gesättigt, heute nehme ich kaum etwas wahr. Laufe wie gesteuert und konzentriere mich nur auf den Weg und die verbleibenden Kilometer.  Doch aus dieser Blase werde ich promt herausgerissen, als direkt neben mir am Wegesrand 4 Frischlinge aufspringen und quiekend durch den Wald rennen. Sie waren perfekt getarnt im Laub. Die Rotte samt Mutter sehe ich (zum Glück) nirgends…

Abends bemerke ich, dass ich bei einer Hang-Rutsch-Partie mein Messer verloren haben muss…Ein großer Verlust während so einer Tour. Doch ich werde später Ersatz finden.

 

Kein Bock auf Müßiggang

7. Mai

Wollte ursprünglich den 7.Tag ruhen, habe aber Lust zu Laufen. Ältere Menschen grüßen mich meist freundlich, jüngere blicken eher ängstlich drein. Ich glaube die ältere Generation hat das Bild eines müden Wandersmannes im Kopf, wenn Sie mich sehen. Bei den Jüngeren ist dieses Bild nicht mehr so präsent und sie denken eher an einen Penner…Abends baue ich mir aufgrund der steilen Hänge überall auf einem Waldweg eine Laubmatratze. Als ich mich gegen 8 hineingelegt habe, kommt der Förster mit dem Jeep vorbei. Hält nicht an, sondern grüßt mich nur freundlich. Bis jetzt nur auf nette Forstleute gestossen, toitoitoi.

Tief im Wald

6.Mai

Sehr schöner Tag, komme gut voran. Scheine 7-Meilen-Stiefel anzuhaben. Mittags kaufe ich bei einem Bauern eine Flasche Pfälzer Landwein und trinke sie zum Vesper. Etwas angeduselt gehts weiter. Obwohl die Nächte teils hart und kalt sind, bin ich tagsüber erstaunlich fit. Nachmittags erreiche ich ein wunderschönes (und noch vom Tourismus verschontes !! ) Mittelalterdörfchen Elmstein, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Abends schlafe ich an einer alten Mauer im Wald, nehme ein paar Steine heraus und nutze das ganz als Kamin…

 

Pfälzer Wald

5. Mai

Morgens beobachte ich einen Feldhasen, der zur Quelle neben mir zum Trinken kommt. Der Pfälzer Wald ist ein wunderschöner deutscher Märchenwald mit vielen Felsen samt Höhlen. In einer davon verbringen wir unsere Nacht.

Hier kommt die Sonne

4.Mai

 

Endlich Sonne ! Endlich trocken! Die Sonne holt mich zwar aus meinem Tief, mache jedoch eine unschöne Erfahrung. Sehe aus wie ein Landstreicher, rieche auch so. Total verdreckt vom Laubhüttenbau. Gehe in Homburg einkaufen, die Menschen mustern mich argwöhnisch bis angeekelt. Kein schönes Gefühl…beim Füße neu vertapen vorm Edeka bekomme ich sogar 2€ hingeworfen. Abends bei Schmitshausen an einer Feuerstelle rede ich mit 2 Männern und frage, ob ich dort übernachten könne. Später kommt einer der beiden wieder und entpuppt sich als Bürgermeister der Gemeinde. Doch statt einer Rüge bekomme ich Brot, Wurst und Hundeleckerlies! Das hat mich sehr berührt.

Tief

3. Mai

Habe trotz guter Nacht ein kleines Tief, es ist dauerhaft grau und nieselt. Würde so gerne in der Sonne trocknen. Ich werde oft misstrauisch beäugt, als wäre ich ein Landstreicher. Eigentlich bin ich das ja sogar grade auch. Meine dreckigen Klamotten machen das Bild perfekt. Abends finde ich eine perfekte und trockene Höhle, entscheide mich aber dagegen, da es direkt nebenan in einem Eingang stark nach Raubtier riecht und Schleifspuren mit Federn etc. zu sehen sind (Fuchs oder Marderhund vermute ich) und ich den Bewohner evtl. samt Nachwuchs nicht vertreiben möchte. Die ganze Nacht scharrt und kratzt eine Maus untr meiner Laubmatratze. Unverschämt, um diese Uhrzeit!

Noch mehr Regen

2. Mai

Habe die Nacht vielleicht 2 Stunden geschlafen, bin fix und alle. Tagsüber merke ich diesen Schlafentzug an meiner schlechten Kondition, ich bin kurzatmig und schwach. Wieder den ganzen Tag nur Regen, ich werde gar nicht richtig trocken. Das Saarland ist putzig, erinnert mich landschaftlich an die Modelleisenbahn meines Opas. Abends mehr Mühe mit der Laubhütte gegeben. Hat sich prompt ausbezahlt: Die Nacht fast durchgeschlafen.

Regen

1.Mai

Eine dicke Wolkendecke hat mich heute Nachmittag in Saarbrücken willkommen geheißen. Nachdem ich mir im Regen 15km weiter eine Laubhütte gebaut habe, liege ich klamm und müde darin. Mitten in der Nacht muss ich Rocko meine Funktionsunterwäsche geben, da er stark friert. Er kann daraufhin im Gegensatz zu mir die Nacht durchschlafen.

Die letzten Vorbereitungen

28.4.15
Die letzten Vorbereitungen sind im Gange. Rocko wurde gestern Abend ein Sommerschnitt verpasst, die letzten Einkäufe wurden getätigt, morgen gehe ich die Packliste noch einmal durch. Etwas Sonnenschein würde ich für einen schönen Start durchaus begrüßen…