Archiv des Autor: Waldsamkeit

Agrarwüsten

8.Juni

Nach einer kühlen Nacht laufen wir weiter. Der gute Boden hier ist ein Fluch für den Wandermann. Die Eintönigkeit hiesiger Agrarwüsten nagt an den Nerven. Riesige Getreidefelder weit und breit, ab und zu ein großes Geflügel-KZ. Stacheldrahtzäune erzeugen ein mulmiges Gefühl beim Anblick der lagerähnlichen Gebäude. Selbst wenn man zu ihnen gelangen würde wäre kein Hineinsehen möglich: sie besitzen kein einziges Fenster.

Ein letzter Ruhetag

5.Juni
Bevor mein letzter Abschnitt beginnt (Felix läuft 2-3Tage mit), bewaffne ich mich mit Tabletten und Sprays. Ich hoffe auf Regen, damit die Pollen aus der Luft gewaschen werden. Auch ziehe ich eine Routenänderung in Betracht, damit ich mehr Wald und weniger Feld laufe.

Pollen

4.Juni
Habe mit Isa in einem Feld mit Rispengräsern geschlafen, gegen die scheine ich allergisch zu sein. Habe am nächsten morgen Druck auf der Brust und bekomme schlecht Luft. In Halle, wo ich Zwischenstation bei meinem besten Freund Felix mache, gehe ich zum Arzt. Hatte wohl morgens einen asthmatischen Anfall, er gibt mir ein Spray mit. Das kann ich jetzt ja gerade noch gebrauchen…

Schalk

2. Juni
Wache um 6 Uhr auf und laufe los. Eiskalter Regen schlägt mir ins Gesicht. Inmitten dieser misslichen Lage beginne ich lauthals loszulachen über schlechte Witze, die ich mir selbst erzähle. Danach geht es mir schon deutlich besser. Und das Wetter wird dann auch, während ich in Erfurt einlaufe, angenehmer. Abends sehe ich endlich Isabel wieder! konnte es wirklich kaum erwarten.

Mitternachtsschmaus

1. Juni
Bin um Mitternacht aufgewacht und hatte Hunger (war zu nah an Siedlung und konnte abends nicht kochen). Also habe ich das dann mitten in der Nacht nachgeholt, um dann selig und mit vollem Bauch wieder einzuschlafen. Die Nächte werden langsam milder.

Herr Wandersmann!

31.Mai
Nach einer sehr kalten Nacht Abschied in Eisenach. In einem Dorf 15km östlich von Eisenach macht ein alter Mann mit seinem Fahrrad neben mir eine Vollbremsung auf der Straße. “Grüß Gott Herr Wandersmann!” ruft er höchsterfreut aus. Er strahlt übers ganze Gesicht und will alles über meine Tour wissen. Er sei früher auch Wandersmann gewesen. Dieses Strahlen in seinen Augen werde ich nicht so schnell vergessen.

Junker Jörg

29.Mai
Komme abends vom Walde her an der Wartburg an, sehe sie schon eine Weile durch die Lücken in den Eichenkronen. So hier alleine auf der Rückseite der Burg kann man sich ganz gut in Luthers Zeiten zurückversetzen. Schlafe im Wald, der Burg zu Füßen.